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Banknotendruck:Rückzug aus Myanmar

Geldnoten in Myanmar: Die Münchner Firma Giesecke + Devrient ist bereits seit den 1970er-Jahren in dem Land tätig.

(Foto: YE AUNG THU/AFP)

Giesecke + Devrient stoppt nach heftiger Kritik die Lieferungen für die Produktion der Landeswährung Kyat.

Von Caspar Busse, München

Ralf Wintergerst zögerte lange, jetzt traf er eine Entscheidung. Die Geschäftsbeziehungen mit Myanmar würden vorerst und mit sofortiger Wirkung eingestellt, teilte der Chef der Münchner Firma Giesecke + Devrient (G+D) mit. Grund sei das weiterhin gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Opposition in dem südostasiatischen Land, sagte er: "Die Gewaltexzesse waren einfach zu viele." Seit dem Putsch sind in Myanmar offenbar mehrere Hundert Menschen bei den Protesten gegen die Junta ums Leben gekommen, die Gewalt eskalierte zuletzt.

Das Engagement von G+D in Myanmar steht schon länger in der Kritik. Die Gruppe "German Solidarity with Myanmar Democracy", die sich nach eigenen Worten für ein freies Myanmar einsetzt, forderte einen sofortigen Lieferstopp. Bislang zierten sich die Münchner jedoch, sich aus dem Land zurückzuziehen, sie schränkten die Geschäftsbeziehungen aber ein. Das Traditionsunternehmen, das fast 170 Jahre alt ist, ist einer der weltweit führenden Banknotenhersteller und beliefert mehr als 100 Länder, auch Myanmar, dort ist das Unternehmen bereits seit den 1970er-Jahren aktiv.

G+D lieferte den Angaben zufolge zuletzt "Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Systemkomponenten" für die Herstellung der Landeswährung Kyat. Die Spezialisten haben einen Vertrag mit der Zentralbank für hochwertige Produkte für den Druck der Geldscheine, das sind beispielsweise Fäden, Folien und Farben bis hin zu Reinigungsmitteln. Das Sicherheitspapier komme aber nicht von G+D. Für das Militärregime ist es wichtig, dass die Banknotenproduktion weiter läuft. Denn das Militär muss seine Soldaten bezahlen und auch alle anderen Staatsbediensteten, um das System in Gang zu halten. Derzeit steht die Wirtschaft im Lande still, umso wichtiger ist es für die Junta, dass sie nicht nur die Zentralbank kontrolliert, sondern auch die Notenpresse in Wazi.

"Ich weiß gar nicht, ob die Banknotenproduktion in Myanmar noch läuft", sagte Wintergerst jetzt. Diese Frage könne nur die Zentralbank in Myanmar beantworten. Der Lieferstopp sei sowohl mit den Vereinten Nationen als auch mit deutschen Behörden und Botschaften abgesprochen. Wintergerst führte jedoch nicht näher aus, welche Diplomaten aus welchen Ländern eingebunden waren. Man sei in Kontakt mit deutschen Behörden und diplomatischen Einrichtungen, teilte G+D bereits vor zwei Wochen mit. Auch der MAN-Konzern wurde zuletzt wegen des Engagements einer Beteiligungsfirma in Myanmar hart kritisiert.

Auch für Lieferungen an Simbabwe gab es Kritik

Wie viel Umsatz G+D mit dem Lieferstopp verloren geht, ist offen. Banknotendruck, Maschinen und Dienstleistungen rund um das Bargeld sind nach wie vor eines der Hauptgeschäfte. Die Corona-Pandemie hinterlässt auch bei G+D Spuren. 2020 sank der Gesamtumsatz um fünf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, der Nettogewinn halbierte sich nahezu von 80 auf 43 Millionen Euro. Das lag unter anderem an Währungseffekten - der Euro hatte im vergangenen Jahr gegenüber dem Dollar stark an Wert gewonnen. Gleichzeitig stieg der Auftragseingang um sechs Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Der Konzern mit weltweit knapp 11 500 Mitarbeitern ist auch in der Sicherheitstechnologie für elektronisches Bezahlen aktiv und stellt Sicherheitslösungen für Telekommunikation, Behörden und Unternehmen her. Bargeld wird immer mehr durch Karten- und sonstige digitale Zahlungen ersetzt. 2021 rechnet G+D mit einer Stagnation von Umsatz und Gewinn.

"Geld zu drucken, ist ein hochpolitisches Thema", hatte Firmenchef Wintergerst schon vor Jahren festgestellt. Immer wieder gab es Kritik an G+D, etwa als Simbabwe beliefert wurde. Banknoten seien aber auch "ein öffentliches Gut". G+D hofft jetzt auf "bessere Voraussetzungen" in Myanmar, um wieder geschäftlich aktiv werden zu können.

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