MV Werften:Investoren gesucht

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MV Werften: Wegen des Insolvenzverfahrens könne an der "Global Dream" nicht weitergebaut werden, sagt der Insolvenzverwalter.

Wegen des Insolvenzverfahrens könne an der "Global Dream" nicht weitergebaut werden, sagt der Insolvenzverwalter.

(Foto: Annegret Hilse/Reuters)

Das Kreuzfahrtschiff "Global Dream" könnte nach der Pleite der MV Werften verkauft werden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter der MV Werften hat sich zuversichtlich gezeigt, für die Standorte in Stralsund und Bremerhaven kurzfristig Lösungen präsentieren zu können. Bereits im März oder April könnten neue Eigentümer vorgestellt werden, sagte Christoph Morgen am Mittwoch in Wismar. Zuvor wurden die Mitarbeiter an allen Standorten über das vorläufige Insolvenzverfahren informiert. Morgen hatte das Verfahren vor zwei Wochen übernommen.

Für den Weiterbau des zu drei Viertel fertigen und rund 1,5 Milliarden Euro teuren Kreuzfahrtschiffes Global Dream werde mit Hochdruck nach Investoren gesucht. Es seien mit mehreren ernsthaften Interessenten Vertraulichkeitsvereinbarungen abgeschlossen worden. Diese Interessenten hätten Know-how, selbst die finanziellen Mittel oder sich mit anderen Investoren zusammengetan. Über mögliche finanzielle Folgen für den Fall, dass die Global Dream nicht verkauft werden kann, wollte er sich nicht äußern.

Wie Morgen überraschend berichtete, meldete sich auch der bisherige Chef des insolventen Kreuzfahrtkonzerns und MV-Werften-Eigners Genting, Lim Kok Thay. Er wolle das Schiff vielleicht erwerben. "Das wird man weiter abwarten müssen, ob das nach der Vorgeschichte noch darstellbar ist." Der Genting-Konzern hatte in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Der Anbieter von Kreuzfahrten war wegen der Pandemie in Schwierigkeiten geraten.

Der Bund war mit Bürgschaften, sogenannten Exportkreditgarantien, für Schiffe der MV Werften in die Bresche gesprungen. Es bestehe daher ein Ausfallrisiko von 900 Millionen Euro, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck im Bundestag. Es komme nun darauf an, ob der Insolvenzverwalter ein Geschäftsmodell für die Werften finde. Die Insolvenz sei hoffentlich nicht das Ende für die Werften, sondern die Chance auf einen Neuanfang, betonte der Grünen-Politiker. Gelinge dieser Neuanfang, sei das Ausfallrisiko "durch eine wirtschaftliche Tätigkeit der Werft am Standort" gebannt. Er könne sich vorstellen, dass die Zukunft der Werften etwa im Bau von Schiffen mit geringeren CO₂-Emissionen oder mit neuartigen Antrieben liegen könnte. Gespräche dazu sollten bald beginnen.

Insolvenzverwalter Morgen zufolge wären die Werften ohne Pandemie für mehrere Jahre ausgelastet gewesen. Doch Corona habe sie wie den Mutterkonzern Genting in Schwierigkeiten gebracht. Deshalb sei zuletzt bei den MV Werften das Konzept verfolgt werden, nach der Fertigstellung der "Global Dream" die Werft in Wismar ohne Insolvenz zu schließen. "Es gab ein klares Schließungskonzept." An allen vier Standorten ruhe derzeit die Arbeit, sagte Morgen. Betroffen seien insgesamt etwa 2150 Mitarbeiter, davon rund 250 in Bremerhaven.

Wegen des Insolvenzverfahrens könne an der Global Dream nicht weitergebaut werden. Die anderen drei Werften hätten keine Aufträge. Es sei auch nicht zu erwarten, einen neuen Eigentümer für alle vier Standorte zu finden.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte, Bund und Land hätten eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der Werftstandorte in MV gegründet. "Es geht um die Frage, wie wir den Werften kurzfristig helfen können. Es geht aber auch darum, welche Zukunftsperspektiven es für die Standorte gibt." Für die SPD-Politikerin spielt dabei nach eigenen Worten die Energiewende eine zentrale Rolle. "Dafür benötigen wir Konverterplattformen und Spezialschiffe."

Auch für Rostock-Warnemünde sieht Insolvenzverwalter Morgen perspektivisch gute Chancen. "Der Standort ist gut, und die Mitarbeiter sind qualifiziert." Allerdings werde es dort wegen der fehlenden Aufträge eine Beschäftigungslücke geben. "Eine Werft ist eher ein Tanker als ein Schnellboot. Man findet auch nicht von heute auf morgen neue Aufträge."

Die Stimmung an den vier Werftstandorten bezeichnete Gesamtbetriebsratschefin Ines Scheel als bedrückt. "Es war allen klar, dass die Zeit knapp ist, einen neuen Kunden zu finden." Nun werde alles dafür getan, damit die Mitarbeiter, für die es am 1. März keine Beschäftigung mehr gebe, in Auffanggesellschaften gehen könnten. Noch seien diese nicht ausfinanziert. Scheel zeigte sich wie Morgen optimistisch, dass das dafür nötige Geld besorgt werden kann. Derzeit sei bei den Mitarbeitern noch keine große Abwanderungswelle zu erkennen.

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