Ums Geld ging es am Muttertag eigentlich schon immer. Allerdings meist um das Geld der Väter: natürliche Zielgruppe der Blumenhändler, die in den 1920er-Jahren in Deutschland den zweiten Sonntag im Mai zum Ehrentag erklärt haben – des Umsatzes wegen. Was lange weniger im Mittelpunkt stand: das Geld der Mütter. Aber das ändert sich gerade. In den vergangenen Jahren entdeckten immer mehr Banken und Finanzdienstleister den Muttertag als Gelegenheit, um für ihre Produkte zu werben. Und das ist gut so. Denn viel dringender als Blumen oder Pralinen benötigen viele Frauen finanzielle Sicherheit.
Das zumindest legen viele Untersuchungen nahe. Kinder sind in vieler Hinsicht eine Bereicherung fürs Leben, aber sie sind eben auch teuer. Und ein überproportionaler Teil der Kosten bleibt an den Müttern hängen. So stellte etwa das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung kürzlich in einer Studie fest, dass die Einkommenseinbußen einer Mutterschaft noch deutlich über dem liegen, was bisher vermutet worden war: 30 Prozent weniger Gehalt erhielten Mütter im Schnitt im vierten Jahr nach der Geburt eines Kindes im Vergleich zu kinderlosen Gleichaltrigen.
„Child penalty“ – Kinder-Strafe – nennen das die Forscher. Dazu kommt der Gender-Pay-Gap, also der Gehaltsunterschied zu Männern, der in vielen Bereichen immer noch unabhängig von Kindern besteht. Und, was das Problem vergrößert, der sogenannte Gender-Investment-Gap: Frauen legen weniger oft Geld an als Männer. Was am Ende zu einem Gender-Pension-Gap führt, also einer tendenziell schlechteren Altersversorgung.
Lücken also überall. „Dazu kommt: Frauen leben länger“, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin für Finanzen an der Uni Mannheim. Sie meint: „Der Kapitalmarkt könnte helfen, diese Lücken zu schließen. Aber zu wenige Frauen investieren dort.“
Dem Deutschen Aktieninstitut zufolge waren im Jahr 2025 insgesamt 5,4 Millionen Frauen und 8,7 Millionen Männer über Einzelaktien oder Fonds an der Börse investiert, wobei Anlegerinnen im Vergleich zum Vorjahr leicht aufholen konnten. „Es gibt leichte Veränderungen“, sagt Niessen-Ruenzi. „Aber grundsätzlich bleibt es bei der traditionellen Aufteilung: Frauen bezahlen die Rechnungen, Männer verwalten das Vermögen.“ Dieser Gender-Investment-Gap sei auch in anderen Ländern zu beobachten. „In Deutschland ist er jedoch besonders ausgeprägt, insbesondere in Westdeutschland.“ Bleibt die Frage: Woran liegt das?
Es könnte an mangelnder Aufmerksamkeit für das Thema liegen. Wobei man unter dem Begriff „Female Finance“ mittlerweile unzählige Angebote für Podcasts, Seminare und andere Veranstaltungen findet. Manche Finanzunternehmen bieten sogar Anlageprodukte, die angeblich speziell für Frauen entwickelt sind und gezielt an diese vermarktet werden. Da sich das Geld von Frauen an der Börse nicht anders verhält als das Geld von Männern, kann man so etwas kritisch sehen. Aber es belegt wohlwollend betrachtet: Das Thema bekommt eine Menge Aufmerksamkeit, und den meisten Frauen ist es sicher sehr bewusst, dass Finanzen wichtig sind für die eigene Unabhängigkeit, auch dem Partner gegenüber.
Darauf deuten zum Beispiel Ergebnisse einer Umfrage unter etwa 2000 zufällig ausgewählten Erwachsenen hin, die von der Finanzplattform Taxfix in Auftrag gegeben wurde. Auf die Frage, wie wichtig finanzielle Unabhängigkeit sei, um bei Bedarf „eine schwierige oder ungesunde Beziehung zu verlassen“, antwortete etwa jede zweite Frau mit „sehr wichtig“, deutlich mehr übrigens als bei den Männern, wo nur jeder dritte diese Antwort gab. Sechs von zehn Frauen würden der Umfrage zufolge außerdem ihre Kenntnisse über Steuern, Geldanlage und Finanzen gerne mit anderen teilen, wissen also vermutlich, dass sie mit dem Problem nicht allein sind.
Gemeinsame Gespräche über Geld könnten in jedem Fall ein guter erster Schritt zu mehr finanzieller Unabhängigkeit sein, sagt Niessen-Ruenzi. „Frauen haben oft weniger Finanzkenntnisse. Das könnte ein Grund sein, warum sie sich oft weniger trauen, Geld an der Börse anzulegen.“
Frauen erwirtschaften eine höhere Rendite als Männer
Bemerkenswert ist allerdings, dass geringere Kenntnisse nicht unbedingt gleichzusetzen sind mit schmälerer Rendite – darauf kommt es schließlich an. In einer viel zitierten Studie mit dem Titel „Boys will be boys“ haben Wissenschaftler der Universität von Kalifornien schon vor mehr als 20 Jahren festgestellt, dass US-amerikanische Anleger höhere Verluste an der Börse erleiden als Anlegerinnen. Der Grund: Männer suchen öfter aktiv nach den besten Börsenschnäppchen, kaufen und verkaufen häufiger, was die Forscher auf Selbstüberschätzung zurückführen. Anders gesagt: Männer wissen im Schnitt vielleicht mehr über Finanzen als Frauen, aber sie wissen oft nicht so viel, wie sie glauben. Solch eine Fehleinschätzung kann an der Börse schnell zum Problem werden. Sie verleitet dazu, Risiken einzugehen, die man nicht abschätzen kann.
Zu ähnlichen Ergebnissen wie die kalifornische Studie kommen übrigens auch deutsche Broker, wenn sie ihre Depotdaten nach Geschlecht auswerten. Die Consorsbank etwa hat kürzlich errechnet, dass ihre Kundinnen zwischen 2019 und 2023 mit ihren Depots im Schnitt eine 2,5 Prozentpunkte höhere Rendite erwirtschafteten als die Kunden. Dafür kauften und verkauften die Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen, sie setzten zudem deutlich stärker auf Einzelaktien und weniger oft auf ETFs.
Grundsätzlich spiele das Geschlecht bei der Geldanlage nur eine geringe Rolle, sagt Niessen-Ruenzi. Aber generell könne man schon feststellen, dass Männer bei der Renditeentwicklung ihrer Investitionen „eher in den Extremen liegen“, also stark über oder unter dem Mittelwert. „Frauen gehen weniger Risiken ein und diversifizieren mehr.“ Man könnte auch sagen: Sie machen häufiger das, was Verbraucherschützer und seriöse Anlageberater in so ziemlich jedem Ratgeber zum Thema Geldanlage empfehlen.
Was kann eine typische Familie, in der die Frau die Rechnungen bezahlt und der Mann das Vermögen verwaltet, aus diesen Informationen machen? Nun, wie wäre es mit einem jener beliebten Gutscheine, die Väter gerne zum Muttertag verschenken: „Ich erledige den Einkauf“. Am besten aber nicht nur einmal, sondern für immer. Schließlich ist der Supermarkt ein Feld, in dem Mann mit dem Sammeln von Preisinformationen und der Jagd nach dem besten Trade tatsächlich den einen oder anderen Euro holen kann. Mama könnte sich im Gegenzug um das Depot kümmern. Wer weiß, vielleicht bliebe am Ende einfach ein bisschen mehr Geld in der Familienkasse übrig? Für Blumen zum Beispiel.

