Mutmaßlicher Container-Betrug Anklage gegen P&R-Gründer Roth

Die geprellten Anleger der Containerfirma P&R hoffen weiter darauf, einen Teil ihres Geldes wiederzubekommen.

(Foto: dpa)
  • Im Betrugsskandal um die Containerfirma P&R wurde nun Anklage gegen den Firmengründer erhoben.
  • Die Firma hatte jahrzehntelang Schiffscontainer als Direktinvestments an Privatanleger verkauft, von denen Hunderttausende gar nicht existierten.
  • Die Pleite von P&R gilt schon jetzt als einer der größten Anlegerskandale in der bundesdeutschen Geschichte.

Nach dem mutmaßlichen Milliardenbetrug bei der insolventen Containerfirma P&R hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Firmengründer Heinz Roth erhoben. Dem 75 Jahre alten Manager wird gewerbsmäßiger Betrug in 414 Fällen mit einem Schaden von knapp 18 Millionen Euro vorgeworfen, wie der leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst sagte. Es sei also nur ein kleiner Teil der "gigantisch großen Anlagesumme" von 3,5 Milliarden Euro berücksichtigt worden.

Roth ist die Schlüsselfigur in einem der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Gesamtschaden übertrifft die jetzt zur Anklage gekommenen Fälle bei weitem. Die Ermittler haben sich bewusst einen eindeutigen Teil des mutmaßlich größten Anlegerbetrugs in der bundesdeutschen Geschichte herausgegriffen, um schnell fertig zu werden: 270 Anleger, die um 17,9 Millionen Euro gebracht wurden. Chefermittler Kornprobst begründete das mit der Komplexität des Verfahrens und der gebotenen Eile. Roth sitzt seit September 2018 in Untersuchungshaft. P&R hatte die Vermietung von Containern als Geldanlage angeboten, insgesamt 54 000 Kunden hatten investiert.

Roth hat keine Kontrolle mehr über sein Vermögen

Den Untersuchungen des Insolvenzverwalters Michael Jaffé zufolge handelte es sich bei den Container-Investments zu einem beträchtlichen Teil um Scheingeschäfte: Knapp zwei Drittel der angeblich vermieteten 1,6 Millionen Container hatten gar nicht erst existiert. Roth selbst beziffert sein Privatvermögen laut einem Gutachten der P&R-Insolvenzverwalter auf 10 bis 13 Millionen Euro. Der Firmengründer hat jedoch keine Kontrolle mehr über sein Vermögen, seit Dezember haben darauf nur noch die Insolvenzverwalter Zugriff.

Die geprellten Anleger der Containerfirma hoffen indes weiter darauf, einen Teil ihres Geldes wiederzubekommen. Sie sollen im Jahr 2020 erste Zahlungen erhalten. Wie viel die 54  000 Kunden jedoch von ihren 3,5 Milliarden Euro zurückbekommen können, ist schwer abzusehen.

P&R hatte über verschiedene Gesellschaften mehr als 40 Jahre lang Schiffscontainer als Kapitalanlage verkauft, vor allem an Privatanleger, die von Mieten und Rückkäufen profitierten. Spätestens von 2010 an hatte sich P&R zu einem Schneeballsystem entwickelt, bei dem Anleger mit neu eingeworbenem Geld ausbezahlt wurden. Ab Anfang März 2018 meldeten schließlich nach und nach alle Firmen der Gruppe Insolvenz an. Als Insolvenzverwalter Jaffé im Frühjahr letzten Jahres die Geschäfte übernahm, war bereits so gut wie kein Geld mehr übrig.

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