Musiker Heinz-Rudolf Kunze "Der Tod hat mich immer begleitet"

Sagt über sich, er könne theoretisch zehn Alben im Jahr produzieren: Musiker Heinz Rudolf Kunze.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Der Musiker Heinz-Rudolf Kunze über seinen Hang zur Schwermut, das Ende der Rockmusik, seinen SPD-Austritt - und Helene Fischer.

Von Hans von der Hagen und Lars Langenau, Wedemark

Ein sehr ruhiger Vorort von Hannover. Ziegelsteinbauten, Fichten und Zäune. Alles sehr bodenständig. Heinz-Rudolf Kunze bittet direkt nach oben in sein Arbeitszimmer. Das, was er Arbeitszimmer nennt und ab und an auch als seine Seifenblase bezeichnet, ist ein gewaltiger Raum unter dem Dach, gefüllt mit Büchern, Tasteninstrumenten aller Art, possierlichen Schleichfiguren und: Zinnsoldaten. Schon als Kind habe er gerne mit Plastiksoldaten gespielt, erzählt Kunze. Und mit jenen, die er von seiner Großmutter aus der DDR geschenkt bekam - NVA-Kämpfer aus Ton.

Neben seinen Soldaten hat Kunze aber auch eine Waffe ganz anderer Art: das Wort. "Als ich damals zum ersten Mal ins Studio ging, hatte ich schon die Texte für ein viertes Album in der Tasche", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und er sei mit den Jahren noch viel schneller geworden: "Heute könnte ich potenziell zehn Alben pro Jahr machen."

Die Sprache ist ihm so wichtig, dass er nach vielen Jahren der Mitgliedschaft die SPD verließ -wegen der Rechtschreibreform. "Ich hatte das Gefühl, mir vergiftet jemand das Trinkwasser", sagt Kunze. Die Reform fand er anmaßend. "Wem steht es zu, zu bestimmen, wie ich schreibe?"

"Der Tod hat mich immer begleitet"

Wenn Kunze über Geld spricht, fällt ihm als erstes ein, dass er davon heute weniger hat als früher. Er erzählt, wie ein bekannter Musikmanager reagierte, als er bei seinem ersten Vertragsabschluss frech das Gehalt eines Studienrates forderte - und bekam. Und er verrät, was er heute über den Erfolg seines Albums "Dein ist mein ganzes Herz" denkt. Denn es ist für viele ja die einzige Platte, die sie von Heinz-Rudolf Kunze kennen

Seine Stimmung ist an diesem Tag aufgeräumt. Das ist nicht immer so. Er hat einen Hang zur Schwermut, den er bereits in einer seinen ersten Platten ("Der schwere Mut", 1990) zum Thema machte. Die Melancholie zieht sich durch seine Lieder. "Der Tod", sagt er, "hat mich immer begleitet." Wie er heute damit umgeht, ob sein Vater wirklich bei der SS war und ob er deshalb "Rudolf wie Rudolf Heß" heißt, erzählt er im Interview.

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