Murdoch-Dynastie in Bedrängnis:Großbritannien im Banne von Murdoch

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Man muss sich das vorstellen: Der Spitzelskandal reicht mittlerweile so weit, dass auch der Chef der Londoner Polizeibehörde Scotland Yard zurücktreten musste - und Großbritanniens Premierminister David Cameron bedenklich wackelt.

Kann es sein, dass über die schmierigen Auswüchse des Gossenjournalismus am Ende sogar ein Regierungschef stürzt, nicht aber der Medienmogul Murdoch, der wie jeder Konzernchef die letztgültige Verantwortung für seine Geschäfte trägt? Auch die ganz eigenen Spielregeln patriarchalischer Mediendynastien kommen in einem solchen Fall an ihre Grenzen.

Rupert Murdoch ist 80 Jahre alt. Er hat ein mehr als eindrucksvolles Lebenswerk geschaffen. Er müsste sich das schon lange nicht mehr antun. Und er ist der Falsche, um den Konzern aus seiner tiefsten Krise zu führen. Der Zeitpunkt für den Generationswechsel ist endgültig gekommen.

Es gibt nur ein Problem: Wer soll es richten? Tragischerweise hat sich Murdoch gleich beide familieninternen Lösungen verbaut. Europa-Statthalter James kann nicht sein Nachfolger werden. Seine jahrzehntelange Aufbauarbeit ist zerstört. Das britische Zeitungsimperium News International steht vor dem Kollaps, die Milliardenschwere Komplettübernahme des Bezahlfernsehanbieters BSkyB ist gescheitert. Der smarte Europa-Statthalter ist als Führungsfigur untragbar geworden, weil sich die nun aufgeflogenen Auswüchse des Boulevardjournalismus unter seiner Verantwortung abgespielt haben. Egal, wie viel er davon wusste.

Also seine Schwester Elisabeth? Sie wäre für die Murdoch-Dynastie eine Idealbesetzung. Mit dem rasanten Aufbau ihrer Produktionsfirma Shine zu einem der führenden TV-Produktionshäuser Europas hat sie ihre unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Und das ohne die Hilfe ihres übermächtigen Vaters: Denn Elisabeth hat sich im Jahr 2000 bewusst von ihm abgewendet und den News-Corp.-Konzern verlassen. Zehn Jahre lang entzog sie sich dem Familienclan und baute ihr eigenes, unabhängiges Unternehmen auf.

Elisabeth Murdoch ist unverdächtig, in die unappetitlichen Machenschaften um News of the World verstrickt zu sein. Sie könnte im Konzern aufräumen, die Skandale aufarbeiten und die News Corp. vor dem Zerfall oder der Zerschlagung bewahren - während der Konzern dabei weiter in Familienhand bliebe.

Elisabeth wäre die naheliegende Kandidatin für die Konzernführung - hätte Murdoch mit ihrer Heimholung Anfang dieses Jahres nicht schon den nächsten Konfliktherd eröffnet: 675 Millionen Dollar ließ der Patriarch sich die Firma seiner Tochter kosten - und köderte Elisabeth zudem mit einem Vorstandsposten.

Einflussreiche Investoren wittern dahinter Vetternwirtschaft. Der Preis sei überzogen und begünstige ein Familienmitglied; die Begründung für den Deal, die Rückkehr der Tochter in den Konzern, sei strategisch wenig nachhaltig, kritisierten sie - und reichten Klage ein. Käme Elisabeth tatsächlich an die Macht, wäre die nächste öffentliche Auseinandersetzung programmiert.

Auch Murdochs gelebte Praxis, verdiente Konzernmanager zu Feuerwehreinsätzen in andere Konzernsparten zu entsenden, etwa zum deutschen Probleminvestment, dem Bezahlfernsehanbieter Sky, scheidet diesmal aus. Um die News Corp. als Ganzes vor der Zerschlagung zu bewahren, die immer mehr Politiker nun öffentlich fordern, braucht es frisches Blut: Murdoch wird einen externen Nachfolger finden müssen. Am besten jemanden, den bislang niemand auf der Rechnung hat.

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