Munich Re:Durchwachsene Bilanz

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Munich Re: Die Zentrale des Münchner Rückversicherers: Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben den Rückversicherer im zweiten Quartal stark getroffen.

Die Zentrale des Münchner Rückversicherers: Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben den Rückversicherer im zweiten Quartal stark getroffen.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Der Rückversicherer Munich Re hält trotz hoher Abschreibungen bei Kapitalanlagen an seinem Gewinnziel fest.

Von Christian Bellmann, Köln

Der Rückversicherungsriese Munich Re gehörte am Dienstag zu den wenigen Gewinnern im Leitindex Dax. Die Aktie des Münchener Konzerns legte nach der Veröffentlichung durchwachsener Geschäftszahlen für das zweite Quartal nach einer anfänglichen Achterbahnfahrt zwischenzeitlich um etwa 1,6 Prozent auf 233 Euro zu. Das war der höchste Stand seit Anfang Juli, der Abstand zum bisherigen Jahreshoch von mehr als 280 Euro Ende Januar bleibt allerdings groß.

Wirkung an der Börse zeigte offensichtlich der aktuelle Optimismus des Managements. Vorstandschef Joachim Wenning hält trotz der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und des starken Anstiegs der Inflation an seinem Gewinnziel von 3,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr fest. Erreicht hat der Konzern im ersten Halbjahr bislang allerdings nur knapp 1,4 Milliarden Euro - im vergangenen Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt schon 1,7 Milliarden Euro. Das heißt: Munich Re muss in der weiter von starken Unsicherheiten geprägten zweiten Jahreshälfte noch knapp zwei Milliarden Euro Gewinn einfahren.

Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben den Rückversicherer im zweiten Quartal stark getroffen. Hohe Abschreibungen auf Aktieninvestments und Verluste aus Zinsderivaten haben das Kapitalanlageergebnis von 1,9 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 971 Millionen Euro einbrechen lassen. Die Kapitalanlagerendite liegt weiter bei mageren 1,6 Prozent. Zuversichtlich stimmen Finanzchef Christoph Jurecka die steigenden Zinsen: Sie führen zwar kurzfristig zu Belastungen, mittelfristig aber zu deutlich höheren Renditen. Bei Neuanlagen im zweiten Quartal sei die Rendite bereits auf 2,8 Prozent gestiegen.

Operativ lief es für die Munich Re insgesamt gut. Sie profitierte weiterhin von steigenden Preisen für ihre Versicherungen. Die Bruttobeitragseinnahmen stiegen im ersten Halbjahr um mehr als 18 Prozent auf 16 Milliarden Euro. Die Schaden- und Kostenquote, die die Beitragseinnahmen ins Verhältnis zu den Ausgaben für Versicherungsschäden und Betriebskosten setzt, verbesserte sich auf 90,5 Prozent. Auch die sinkenden Schäden durch Covid-19 sorgten für Entlastung. Für Schäden infolge des Krieges legte der Rückversicherer im zweiten Quartal weitere 90 Millionen Euro zurück, insgesamt bezifferte er die Kosten des Krieges auf bislang 200 Millionen Euro. Munich Re profitierte in diesem Jahr auch von einer unterdurchschnittlichen Belastung durch Stürme, Erdbeben und Großbrände. Von dem für diese Großschäden reservierten Budget sind für dieses Jahr noch 2,7 Milliarden Euro übrig. Dieses Polster ist womöglich bitter nötig: Die Hurrikan-Saison, die in diesem Jahr besonders aktiv ausfallen könnte, fängt gerade erst an.

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