Mütterrente:Milliarden für eine herzerwärmende Geste

Lesezeit: 1 min

Der Stichtag ist willkürlich gewählt. Frauen, die nach 1992 ein Kind zur Welt gebracht haben, bekommen später eine höhere Rente, alle anderen erhalten weniger. Das soll jetzt durch die Einführung der Mütterrente abgemildert werden - für jährlich 6,5 Milliarden Euro.

Ein Kommentar von Guido Bohsem

Frauen, die nach 1992 ein Kind zur Welt gebracht haben, bekommen später eine höhere Rente. Wer hingegen vorher Mutter wurde, bekommt weniger. So steht es im Gesetz, und natürlich ist dieser Stichtag willkürlich gewählt. Auch dem spitzfindigsten Juristen dürfte es schwerfallen, einen überzeugenden Unterschied zwischen einer Frau auszumachen, die ein Kind im Dezember 1991 geboren hat, und einer Frau, die ein paar Wochen später dran war.

Union und SPD wollen Frauen mit Kindern deshalb in der Rente annähernd gleich behandeln, unabhängig davon, wann sie Mutter geworden sind. Das hört sich gut an, und wenn das Ganze unter dem herzerwärmenden Begriff "Mütterrente" firmiert, klingt es noch besser.

Doch Vorsicht, so einfach liegen die Dinge nicht. Es gibt ein Argument, das gegen das Vorhaben spricht, und das ist das schnöde Geld. 6,5 Milliarden Euro im Jahr soll das Vorhaben kosten, eine gigantische Summe. Derzeit könnten die gut gefüllten Rentenkassen so eine Belastung zwar noch vertragen. Doch kann die Lage auf dem Arbeitsmarkt bald wieder schlechter werden, was den ungewöhnlich üppigen Geldfluss in die Sozialkassen versiegen lassen würde. Darüber hinaus gibt es wichtigere Dinge in der Rente zu regeln als die "Mütterrente", nämlich die Erwerbsminderungs-Rente. Auf deren Reform darf nicht verzichtet werden, nur weil es unpopulärer und schwieriger ist.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB