Mr. Playmobil Horst Brandstätter Gott der Plastikmännchen

Millionenfach werden sie zu Weihnachten verschenkt, sie machen Kinder glücklich - sie waren die Idee seines Lebens. Horst Brandstätter wurde durch Playmobil zum Milliardär. Doch wer ist der Mann hinter Deutschlands größtem Spielzeughersteller wirklich?

Von Uwe Ritzer

Irgendetwas heckt er aus. Im geräumigen Büro von Horst Brandstätter stehen Gartenmöbel unterschiedlicher Formen und Farben. Die Muster sind aus Kunststoff, genauso wie die fingerlangen Playmobil-Figuren, die den heute 78-Jährigen zum Milliardär und seine Firma zum größten deutschen Spielzeughersteller gemacht haben. Und genauso wie die Pflanzkübel namens Lechuza, mit denen Brandstätter eine zweite - wenn auch viel kleinere - Unternehmenssparte schuf, obwohl ihm viele seiner Manager und Mitarbeiter prophezeit hatten, das werde nie etwas.

Horst Brandstätter: "Ich lass' mir doch mein Spielzeug nicht wegnehmen"

(Foto: dpa)

Will er demnächst auch Gartenmöbel bauen und verkaufen? Pause. "Wir sind da am Anfang von Überlegungen", sagt Brandstätter vorsichtig. "Aber konkret ist noch nichts." Nächstes Thema bitte.

Es ist ein Tag im Spätherbst 2011. Draußen scheint die Sonne, aber für Horst Brandstätter scheint sie nicht genug. Er ist daher auf dem Sprung nach Florida. Seit 18 Jahren überwintert der Vater der Playmobil-Figuren in seinem Haus auf Jupiter Island, einem exklusiven Inseldorf mit 620 reichen und oft auch prominenten Einwohnern. Die Sängerin Celine Dion wohnt da oder Golf-Star Tiger Woods; er ist Brandstätters Nachbar. Der findet Woods' neues Haus zwar grässlich neumodisch, aber es darf unterstellt werden, dass er gerne mal mit dem Amerikaner Golf spielen würde. Die Sportart ist die zweite große Leidenschaft des fränkischen Unternehmers. Die andere ist seine Firma.

Die Playmobil-Zentrale steht in Zirndorf, einem Städtchen etwas außerhalb von Nürnberg. Wenn Brandstätter zu Hause ist, kommt er täglich ins Büro. Immer von 9 bis 12 Uhr, danach geht er zum Golfen. Weilt der Firmenchef in Florida, werden täglich Faxe zwischen Jupiter Island und Zirndorf hin und her geschickt. Handys und E-Mails mag Horst Brandstätter weniger. Lieber setzt er sich hin, schreibt mit dem Kugelschreiber Vorschläge und Kommentare auf Papier - und faxt sie dann nach Zirndorf. Dort kümmert sich seit elf Jahren Andrea Schauer als Geschäftsführerin um Playmobil. Von ihr heißt es, sie zeichne sich außer durch Können auch durch geschickten Umgang mit dem Alleininhaber aus. Denn Horst Brandstätter gilt nicht als einfach.

Eine knorrige Persönlichkeit ist der hochgewachsene und schlanke Endsiebziger: eigenwillig, unkonventionell, ein Patriarch alter Schule, etwas schrullig vielleicht, aber mit scheinbar untrüglichem Riecher fürs Geschäft. Doch, doch, sagen sie in seiner Firma, man dürfe ihm auch widersprechen, er wolle das sogar. Aber neben Rückgrat brauche man dann vor allem Argumente. Ruhestand? "Ich lass' mir doch mein Spielzeug nicht wegnehmen", wehrt Brandstätter ab, "im doppelten Sinne des Wortes." Seit fast 60 Jahren ist er Unternehmer.

In seinem Zirndorfer Büro hat er Schilder mit Sprüchen an die Wand genagelt. "Der liebe Gott hat den Menschen die Nüsse gegeben, damit die Intelligenten und Fleißigen sie knacken", lautet einer. Der wichtigste Nussknacker im Leben des Horst Brandstätter hieß Hans Beck. Ein stiller, in sich gekehrter Mann, gelernter Möbelschreiner aus Thüringen, der sich in den 1950er Jahren beim jungen Firmenchef Brandstätter vorstellte.

Der suchte gerade einen "Mustermacher", so hießen damals Entwickler. "Ein normales Einstellungsgespräch war mit Beck nicht möglich, denn der redete nicht", erinnert sich Brandstätter. "Aber ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Seine Körpersprache, die spärlichen Regungen - nach einer halben Stunde habe ich ihn per Handschlag eingestellt." Beck faszinierte ihn, obwohl dieser nur einige Jahre älter als er selbst war. "Er stand über den Dingen. Er hörte Beethoven, ich Schlager", erinnert sich Brandstätter.