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Montagsinterview:Terium: "Innogy ist keine Wohlfahrtsstiftung"

RWE CEO Peter Terium attends an interview in Duesseldorf, Germany

Der Chef der RWE-Tochter Innogy, Peter Terium, würde sich gern am Konsortium der Autohersteller für schnelle Strom-Tankstellen beteiligen.

(Foto: REUTERS)

Innogy-Chef Peter Terium will im Geschäft mit Stromtankstellen für E-Autos mitmischen - und daran auch verdienen.

Lange Zeit galt Peter Terium, 53, als der Zauderer. Als einer, der verwaltet statt zu gestalten. Im Dezember vergangenen Jahres kündigte er dann aber den radikalsten Schnitt in der etwa 120-jährigen Geschichte des Energiekonzerns RWE an: Die Abspaltung des zukunftsträchtigen Geschäfts. Der Rivale Eon hatte sich dazu bereits ein knappes Jahr zuvor dazu entschlossen. Und der Börsengang von Innogy, der einstigen Tochter von RWE, an der der Konzern noch 77 Prozent hält, lief sogar besser als der von Uniper, in das Eon seine konventionellen Kraftwerke auslagerte.

Manchem, der Terium nun zu seinem Coup gratuliert, entgegnet der gebürtige Niederländer: "Nicht schlecht für einen, der keinen Plan hatte, oder?" Das könne er sich nicht verkneifen, sagt der Manager im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Er gibt Einblick, wie er den schwierigen Umbau erlebt hat - auch nach dem Feierabend. Und er verrät, was er nun mit Innogy vorhat.

Eine seiner größten Hoffnungen ruht dabei auf dem Geschäft mit der Elektromobilität: Terium möchte sich an der kürzlich von Autoherstellern gegründeten Allianz für ein europaweites Netz mit Strom-Schnellladetankstellen beteiligen. "Wir sind bereit, den Herstellern technisch hochwertige und wettbewerbsfähige Ladesäulen zur Verfügung zu stellen. Diese könnten wir auch einbringen, als Teil des Konsortiums", sagt er. Allerdings setze das voraus, dass die Autohersteller dies auch wollten. Audi, BMW, Daimler, Ford und Porsche hatten Ende November ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das schon im nächsten Jahr etwa 4000 Ladestationen an den wichtigsten Verkehrsachsen aufbauen will. Die Hersteller von Batterien haben ähnliche Allianzen geschmiedet.

"Innogy ist keine Wohlfahrtsstiftung"

Über den Bedarf für solch ein Ladenetz sind sich alle Beteiligte einig. Strittig ist aber die Frage, wer das große Geld damit verdienen soll. Terium machte deutlich, dass er sich dabei nicht über den Tisch ziehen lassen wolle: "Wir können nicht das ganze Land mit Ladesäulen zupflastern und am Ende leer ausgehen. Ich bin ja vieles, aber ich bin nicht Mahatma Gandhi. Und Innogy ist keine Wohlfahrtsstiftung."

Innogy unterhält weltweit bereits mehr als 5300 Ladesäulen für Elektroautos. Sie stehen etwa auf dem Universitätscampus in San Diego, aber auch bei BMW und Porsche. "Ich glaube, dass der Verkauf von E-Autos demnächst exponentiell nach oben gehen wird. Das ist wie bei so vielem: Lange dümpelt alles dahin und plötzlich geht es los. Dieser Moment wird in der Elektromobilität bald kommen", sagte Terium. Vor wenigen Tagen hat Innogy auch eine neue Geschäftseinheit gegründet, die alle Aktivitäten rund um die Elektromobilität im Konzern bündelt.

© SZ.de/cbu/sry
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