Monsanto und Bayer Gemeinsame Eigentümer? "Die Unternehmen machen sich weniger Wettbewerb"

Doch es gibt Hinweise, dass es durchaus etwas bedeutet, dass Monsanto und Bayer gemeinsame Eigentümer haben. "Common Ownership" nennt die Wissenschaft das Phänomen, das inzwischen häufiger auftritt, weil Vermögensverwalter wie Blackrock immer größer werden und deshalb an immer mehr Unternehmen Anteile halten.

Es hat sich gezeigt, dass sich Fluggesellschaften weniger Konkurrenz machen, wenn die gleichen Finanzinvestoren an ihnen beteiligt sind. Es gibt dann weniger Preiskämpfe, die der Gewinnmarge und damit dem Finanzinvestor schaden, egal, wer den Preiskampf gewinnt - für die Verbraucher steigen deshalb die Kosten. "Die Unternehmen machen sich weniger Wettbewerb", sagt Sautner. "Und die extremste Art, sich weniger Wettbewerb zu machen, ist ein Zusammenschluss."

Die Ergebnisse aus dem Airline-Markt ließen sich daher mit der Monsanto-Übernahme vergleichen, die womöglich den gemeinsamen Eigentümern hilft, aber dem Wettbewerb schadet. Sautner erwartet, dass sich Kartellbehörden nun mit Eigentümerstrukturen von Firmen beschäftigen, was bislang nicht in ihrem Fokus stand.

Woran es genau liegt, dass sich Konzerne mit gemeinsamen Großaktionären weniger Konkurrenz machen, ist nicht ganz klar. Zum Teil dürfte es vorauseilender Gehorsam der Vorstände sein, die wissen, welche Entscheidungen im Interesse ihrer gemeinsamen Anteilseigner sind. Zum Teil könnte es auch sein, dass Aktionäre im Verborgenen auf die offiziellen Entscheider einwirken.

So hart, wie man wegen der Insider-Gesetze denkt, ist die Trennung zwischen Unternehmen und Aktionären jedenfalls nicht, sagt Sautner. Der Finanz-Professor hat in einer Studie unter großen Investmentfonds festgestellt, dass 63 Prozent der Fonds-Vertreter direkt mit dem Management über wichtige Unternehmensthemen sprechen, 45 Prozent diskutieren sogar mit Aufsichtsräten, ohne dass ein Vorstand dabei war. Die Finanzinvestoren haben also genug Gelegenheit, im Geheimen klarzumachen, was sie wollen.

Ganz offiziell werden die Gespräche, sobald Übernahmepläne verkündet worden sind. Schon nachdem Bayer-Chef Baumann im Mai zum ersten Mal gesagt hatte, dass er Monsanto gern für sich hätte, ist er auf eine sogenannte Roadshow zu seinen Investoren nach London, Frankfurt und New York gefahren. Schließlich sind noch längst nicht alle von der 66 Milliarden Dollar teuren Idee begeistert. Gerade tröstete Baumann diejenigen, die sich davor fürchten, mit neuen Renditezielen.

"Für die mittelfristige Entwicklung von Bayer sind wir optimistisch und haben uns entsprechend ambitionierte Ziele gesetzt", sagte er am Dienstag auf einer Investorenkonferenz in Köln. Er strebe in allen Bereichen weitere Umsatz- und Ergebniszuwächse an, die im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln besonders hoch ausfallen sollen. Nach deutschem Aktienrecht müssen die Bayer-Investoren nicht über den Monsanto-Milliardendeal abstimmen. Und von den Großinvestoren hat sich offiziell bislang keiner zu den Übernahmeplänen geäußert.

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