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Möglicher Kaufhof-Investor René Benko:"Die Ferraris gibt es gar nicht mehr"

SZ: Wie wichtig ist Wiedeking für Sie?

Bernko: Er ist ein enger Freund von mir und seit einiger Zeit Mitaktionär. Für den Fall, dass wir Kaufhof erwerben, wird er sich an meiner Seite engagieren. Mein wichtigster Wegbegleiter ist der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Er steht auch dem Unternehmensbeirat vor.

SZ: Vom Griechen reden Sie gar nicht. Er wird im Handelsblatt als Hauptfigur bei dem Kaufhof-Deal genannt.

Benko: Ich bin stolz, George Economou Ende 2009 als Gesellschafter für Signa gewonnen zu haben. Er ist einer der vermögenden Europäer, ein großer Kunstsammler und ein sehr erfolgreicher internationaler Reeder.

SZ: Der Sie vorgeschickt haben soll.

Benko: Das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Er ist nicht operativ tätig und hält 50 Prozent minus eine Aktie. Erst vor einigen Wochen habe ich ihm die Kaufmöglichkeit Kaufhof präsentiert. Es war journalistisches Geschick, in der Sache Kaufhof das Thema Griechenland aufzugreifen, weil Deutschland sehr viel Geld nach Griechenland schickt. Nein, hier investiert die größte österreichische Immobiliengruppe und einer der erfolgreichen Unternehmer des Landes.

SZ: Sie sind erst 34.

Benko: Ich habe im Alter von 17 begonnen, parallel zur Schule. Ich bin damals auf die Handelsakademie in Innsbruck gegangen - da mich das Immobiliengeschäft aber mehr begeistert hat als die Schule, habe ich mich entschlossen, das Abitur nicht mehr zu machen. Erst war ich Assistent in einer Firma, dann habe ich mich Ende 1999 mit der heutigen Signa-Holding selbständig gemacht.

SZ: Was brachte den Durchbruch?

Benko: Erfolgsfaktoren der Gruppe sind, dass über die Jahre Topmanager aus der Immobilien- und Finanzbranche für das Unternehmen begeistert werden konnten. Leute zwischen 40 und 50, mit viel Erfahrung und einem großen Netzwerk. Sie brachten ihr Team mit. So sind wir von einem Zwei-Mann-Betrieb zu einem Unternehmen mit 150 Leuten gewachsen. In unserem einflussreichen Beirat sitzen gute Freunde wie Peter Haßkamp, der langjährige Chef der Bremer Landesbank. Der Durchbruch war, das Unternehmen auszurichten auf Immobilien in Bestlagen.

SZ: Sie besitzen angeblich zwei Flugzeuge, einen Ferrari, eine Yacht, ein Palais. Wie wichtig sind Statusobjekte?

Benko: Die Ferraris gibt es gar nicht mehr. Das kauft man sich als solventer Jung-Unternehmer, so wie jeder seinen Jugendtraum von einem Sportwagen hat. Ich fahre jetzt normale S-Klasse Mercedes. Die Flieger leugne ich insofern nicht, als mir das die Chance eröffnet, das Pensum zu bewältigen. Ich muss jeden Tag in einer anderen Stadt sein.

SZ: Und vom Handelsgeschäft verstehen Sie wirklich genug?

Benko: Wir haben seit Jahren Handelsexperten engagiert. Wenn man erfolgreicher Besitzer von Handelsimmobilien sein will, dann muss man auch das Handelsgeschäft verstehen. Der operative Teil von Kaufhof ist perfekt aufgestellt. Mit einem extrem soliden Management.

SZ: Wie kommt es zum Wettbieten mit dem Karstadt-Besitzer Berggruen?

Benko: Wir sind in seiner sehr souveränen Rolle. Die Metro AG hat unsere Möglichkeiten bei europäischen Banken hinterfragt, dann hat sie sich auf uns konzentriert. Wir genießen Vertrauen bei Geld-Instituten und haben vor allem das Eigenkapital für eine solche Transaktion. Wir sind nicht bereit, uns auf ein Wettbieten einzulassen. Sonst würden wir uns eher zurückziehen. Signa bietet einen attraktiven Preis, das ist am Ende des Tages auch für Metro attraktiv.

SZ: Wann fällt die Entscheidung?

Benko: Unser Ziel ist es, in diesem Jahr zu unterschreiben.

© SZ vom 03.11.2011/jab

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