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Mögliche Übernahme von Opel:In Europa würde ein neuer Autoriese entstehen

Autoexperte Bratzel sieht dennoch eine Chance, wie die Arbeitsplätze bei Opel erhalten bleiben könnten. Durch eine günstigere Produktion könnte PSA schließlich auch mehr Autos verkaufen als bislang. Dann wären zusätzliche Kapazitäten nötig. Fest steht: Durch eine Übernahme von Opel würde ein neuer großer Hersteller in Europa entstehen. Nach Angaben von Bratzel hätte der Konzern in Europa einen Marktanteil von 17 Prozent und wäre nicht mehr weit entfernt von Marktführer Volkswagen (24 Prozent).

Für den Autoexperten gibt es allerdings noch einige offene Fragen. Was würde etwa mit all der Technologie passieren, die sich Opel bislang mit GM teilt? Die Amerikaner haben in der Vergangenheit etliche Patente angemeldet - für Teile, die auch in den Opel-Fahrzeugen verbaut werden. Durch eine Übernahme würde PSA sich das Know-how der Amerikaner sichern. Bratzel hält es deshalb auch für vorstellbar, das PSA und GM über wechselseitige Beteiligungen verhandeln.

Die Opel-Überlebensgarantie wäre aufgekündigt

Bei Opel dürften sich bei einem Zusammenschluss mit Peugeot die bewegten Jahre fortsetzen, die nach der Weltwirtschaftskrise ihren Anfang nahmen. Kein Wunder also, dass die Betriebsräte von Opel und Vauxhall umgehend reagierten. Sollte es Gespräche mit dem Ziel geben, Opel und Vauxhall zu verkaufen, sei dies "eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte", hieß es dort. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) - das größte Opel-Werk steht in seinem Bundesland - warnte ebenfalls vor einem Arbeitsplatzabbau: "Mögliche Veränderung dürften nicht zu Lasten des Standorts und der Arbeitsplätze in Rüsselsheim gehen."

Bei der Opel-Belegschaft wecken allein die Gespräche Erinnerungen an das Jahr 2009. GM stand damals am Abgrund. Das Unternehmen hatte etliche Probleme, Opel war nur eines davon. Die Amerikaner legten schließlich eine Blitzinsolvenz hin. Erst die Milliardengelder der US-Regierung konnten GM retten. Opel arbeitete damals an einem Konzept zur Trennung von GM. Bund, Länder und das US-Finanzministerium einigten sich schließlich mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungspaket. Magna sollte Opel übernehmen. Doch dazu kam es nicht. Die Amerikaner behielten den Opel-Konzern und sanierten den Autohersteller. Auch durch schmerzhafte Einsparungen. Belegschaften, ganze Fabriken - die Amerikaner waren knallhart. Selbst das alte Bochumer Werk, in den 60er-Jahren mitten in der Kohlenkrise noch das Hoffnungs-Autowerk einer ganzen Region, musste dran glauben.

Als GM-Chefin Mary Barra im Januar 2014 zum Antrittsbesuch nach Rüsselsheim kam, versuchte sie die verunsicherten Opel-Mitarbeiter zu beruhigen. Sie kündigte Milliardeninvestitionen an - und neue Modelle. "Sie können sicher sein, dass dies Hand in Hand gehen wird mit zusätzlichen Investitionen in Deutschland", sagte sie. Die Opelaner verstanden dies als eine Art Überlebensgarantie. Die wäre mit dem Verkauf nach Frankreich nun aufgekündigt.

© SZ.de/vit
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