Süddeutsche Zeitung

Mögliche Lösung:Banken könnten Argentinien vor Pleite retten

Wenige Stunden vor Ablauf der Frist sickern Pläne durch, die den drohenden Staatsbankrott Argentiniens abwenden könnten: Eine Gruppe von Banken aus Buenos Aires hat sich angeblich bereit erklärt, die argentinischen Schulden bei amerikanischen Hedgefonds zu übernehmen.

Wenige Stunden vor dem Ende der Verhandlungsfrist am Mittwoch, 24 Uhr New Yorker Zeit, drang aus Verhandlungskreisen in New York ein Plan durch, wie die Insolvenz Argentiniens doch noch in letzter Minute abgewendet werden könnte. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat sich eine Gruppe von Banken des argentinischen Bankenverbandes Adeba in Buenos Aires bereit erklärt, die argentinischen Staatsanleihen amerikanischer Hedgefonds zu übernehmen und diese auszubezahlen.

Die Fonds hatten das südamerikanische Land auf die volle Rückzahlung ihrer Papiere in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vor einem New Yorker Gericht verklagt und Recht bekommen. Die Regierung Kirchner weigerte sich bislang, dem Urteil nachzukommen, weil sie fürchtet, dass andere Gläubiger, mit denen sie sich größtenteils schon länger auf eine Umschuldung geeinigt hatte, das Urteil dann nutzen könnten, um ihrerseits höhere Summen nachzuverlangen. Eine entsprechende Klausel (Rufo) ist in den meisten restrukturierten Papieren enthalten.

Der verantwortliche US-Richter Thomas Griesa hatte daraufhin im Juni schon bei Banken bereitgestellte Zinszahlungen Argentiniens an die Halter der restrukturierten Papiere einfrieren lassen. Nach Ablauf einer vierwöchigen Gnadenfrist an diesem Mittwoch, 24 Uhr amerikanischer Ostküsten-Zeit (Donnerstag 6 Uhr europäischer Zeit), hat dies formal einen Zahlungsausfall zur Folge.

Die drohende Zahlungsunfähigkeit wäre damit abgewendet

Falls nun noch Mittwochnacht eine verbindliche Abmachung zwischen den Adeba-Banken und den Hedgefonds zustande kommt, könnte Richter Griesa bereits hinterlegte Zinszahlungen der Argentinier für diese breite Masse der Gläubiger am Donnerstag freigeben. Damit wäre die Zahlungsunfähigkeit des Landes erst einmal abgewendet. So berichteten mit der Materie vertraute Personen unter anderem an Bloomberg.

Wenn Ende des Jahres dann die sogenannte Rufo-Klausel zur Gleichbehandlung aller Gläubiger ausläuft, hieß es weiter, könnte die Regierung Kirchner dem Bankenverband die Schuldentitel wieder abkaufen. Über diesen Umweg hätte Argentinien gemäß dem Urteil die Forderungen der Hedgefonds voll bezahlt und gleichzeitig die befürchteten Nachforderungen anderer Gläubiger auf Basis der Rufo-Klausel verhindert.

Die argentinischen Börsen reagierten schon am Mittwoch sehr positiv auf dieses mögliche Ergebnis. Der maßgebliche Merval-Aktienindex lag zu Handelsschluss mit sieben Prozent im Plus, die Kurse argentinischer Staatsanleihen erholten sich und auch die Landeswährung Peso legte zum Dollar leicht zu. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit Argentiniens wegen der unsicheren Lage am Mittwochabend dennoch auf "partiellen Zahlungsausfall" herab.

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