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Mögliche Alstom-Übernahme:Auch Siemens will zweistelligen Milliardenbetrag zahlen

In dem aktuellen Brief konkretisiert Siemens sein mögliches Angebot. Das Alstom-Energiegeschäft taxieren die Münchner auf 10,5 bis elf Milliarden Euro, also etwas weniger, als GE inzwischen bietet. Allerdings offeriert Siemens jetzt auch das gesamte Bahngeschäft - also den Hochgeschwindigkeitszug ICE, die Lokomotiven, die Nahverkehrszüge, die U-Bahnen und Trams. Laut Schreiben hat diese Sparte Aufträge im Wert von etwa 16 Milliarden Euro in den Büchern.

In dem Brief bekennt sich der Münchner Konzern auch ausdrücklich dazu, das Nukleargeschäft von Alstom im Fall einer Übernahme weiterzuentwickeln. Alstom ist einer der wichtigsten Zulieferer für Atomkraftwerke - Siemens hat sich aus dem Geschäft eigentlich zurückgezogen.

"Entweder lässt man sich von Boeing kaufen, oder man baut am Airbus."

Und wie geht es nun weiter? Nach den hektischen Entwicklungen der vergangenen Tage dürfte wohl ein wenig Ruhe einkehren - wahrscheinlich bis Ende Mai. Dann laufen die Fristen aus, und bis dahin muss sich der Siemens-Vorstand entscheiden, ob aus einem unverbindlichen Angebot ein verbindliches wird.

Störfeuer könnte es allerdings von der französischen Regierung geben, die sich in Industriefragen traditionell stark einmischt. Vor allem Wirtschaftsminister Arnaud Mountebourg stemmt sich seit Tagen gegen den Zusammenschluss mit GE: "Es gibt zwei Lösungen. Um Bilder zu benutzen, die den Franzosen etwas sagen: Entweder lässt man sich von Boeing kaufen, oder man baut am Airbus. Siemens will zwei Weltführer in den Bereichen Energie und Verkehr aufbauen", tönte er und griff immer wieder Alstom-Chef Patrick Kron an. Dieser, beschwerte sich der Minister, habe ihn in den vergangenen Monaten offen belogen: "Muss der Wirtschaftsminister in seinem Büro einen Lügendetektor installieren?", fragte er.

Der angegriffene Alstom-Chef meldete sich am Mittwoch zu Wort- natürlich per Telefonschalte. Französischen Journalisten teilte er mit: "Wir haben ein einziges Angebot vorliegen, es ist ein attraktives Angebot", frohlockte er. "Sie erlauben mir, dass ich nicht das Gegenteil sage - schließlich habe ich es ausgehandelt."