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Mögliche Alstom-Übernahme durch GE:Frankreich besorgt, Siemens gelassen

Siemens und seine Wettbewerber

Siemens und seine Wettbewerber: Übernimmt General Electric tatsächlich Alstom, hat das weitreichende Konsequenzen.

(Foto: SZ-Grafik, Quelle: Bloomberg)

Der große Rivale General Electric soll Interesse am französischen Energiekonzern Alstom haben. Doch von Furcht hört man nichts bei Siemens. Bei der französischen Regierung ist das anders.

Der 7. Mai ist in diesem Jahr der Tag der Ergebnisse, in Berlin, genauso wie in Paris. In der Mosaikhalle tief in der Berliner Siemensstadt wird Konzernchef Joe Kaeser morgens die neue Struktur für sein Unternehmen vorstellen. Journalisten und Analysten sind schon eingeladen. Seit Monaten wird eifrig an der neuen Konzernarchitektur gearbeitet. Damit nichts nach außen dringt, ist bei Siemens der Zirkel der Wissenden auf ein paar wenige zusammengeschnurrt, die Eingeweihten dürfen sich nicht per E-Mail über die neue Struktur austauschen. Für einen Konzern wie Siemens, der sich oft und auch sehr gerne mit sich selbst beschäftigt, ist die Geheimniskrämerei immens. Die Überraschung soll diesmal einfach gelingen. Doch vielleicht kommt alles anders.

Just am selben Tag, an dem Siemens sich neu aufstellt, präsentiert der französischen Konkurrent Alstom sein Jahresergebnis. 800 Millionen Euro Gewinn bei mehr als 20 Milliarden Umsatz waren es beim letzten Mal, eher bescheiden. Und doch könnten diesmal alle gebannt nach Paris schauen und weniger nach Berlin. Denn seit Donnerstag gibt es Hinweise, dass das Energiegeschäft und somit der Großteil des französischen Konzerns Alstom womöglich vom US-Konkurrenten General Electric (GE) geschluckt werden könnte. Politiker zeigen sich "besorgt".

Kaum war das Gerücht auf dem Markt, kletterte der Kurs der Alstom-Aktie zeitweise um 18 Prozent. Am Freitag wurde das Papier sogar auf Anordnung der Börsenaufsicht vom Handel in Paris ausgesetzt. Bei Alstom will sich bislang niemand äußern, auch ein Sprecher des Großaktionärs Bouygues lehnt eine Stellungnahme ab. Alstom-Chef Patrick Kron bestätigte jedoch nach Gewerkschaftsangaben, dass es Gespräche über eine Transaktion gebe, allerdings ohne den Verhandlungspartner zu nennen.

Ein Unternehmen mit über 120 Milliarden Euro Umsatz

Es heißt, der Alstom-Hauptaktionär, der Bau-und Mobilfunkkonzern Bouygues unterstütze das Vorhaben, das von Alstom angestoßen worden sei. Am Freitagnachmittag kam der Alstom-Verwaltungsrat zusammen, laut Gewerkschaftskreisen sei bei dem Treffen allerdings noch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Sollten der angeschlagene französische Konzern und die finanzstarken Amerikaner tatsächlich zusammengehen, entstünde ein Unternehmen mit über 120 Milliarden Euro Umsatz, deutlich größer als Siemens.

Doch welche Konsequenzen hätte eine Fusion für den deutschen Konkurrenten? "Angst haben die bei Siemens bestimmt nicht", glaubt Oliver Drebing, Analyst der SRH Alsterresearch AG in Hamburg, der den Siemens-Konzern beobachtet. "Wenn GE zum Beispiel den Schweizer Wettbewerber ABB übernehmen wollte, dann wäre die Lage bedenklicher." Und tatsächlich: Spricht man mit Siemens-Leuten, dann ist die Stimmung betont gelassen. Furcht, gar Sorge, nein das hört man nicht, die Gedanken, sie sind bei der Umstrukturierung, den eigenen Wehwehchen, dem 7. Mai und natürlich in Berlin, nicht in Paris.

Beinahe 60 Milliarden Dollar hat GE an Liquiditätsreserven im Ausland gehortet, das ist deutlich mehr als der Konkurrenz zur Verfügung steht. Wenn das Geld zurück in die Vereinigten Staaten fließen soll, sind 35 Prozent Steuern fällig. Alleine damit ließe sich der Alstom-Deal stemmen - einfach und bequem aus der Portokasse. "GE hat das Geld und sie haben die Notwendigkeit, das Geld zu investieren", sagt Analyst Drebing. "Es kommt GE daher nicht auf jeden Renditepunkt an."