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Möbelkonzern Ikea:Köttbullar in Aufruhr

Blufft Ikea-Gründer Ingvar Kamprad? Mit Hilfe einer milliardenschweren Stiftung in Liechtenstein soll er weiterhin die Kontrolle über den Möbelkonzern haben - entgegen anderen Behauptungen.

Ist er bloß ein begnadeter Möbelhändler - oder doch ein mit allen Wassern gewaschener Finanzhai? Dem schwedischen Fernsehen zufolge besitzt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad weit mehr Kontrolle über die bekannteste Möbelmarke der Welt, als er bislang eingesteht.

Ingvar Kamprad, 2002

Steht Ingvar Kamprad, Gründer des Möbelhauses Ikea, dem Unternehmen näher, als er zugeben mag?

(Foto: Reuters)

Mit Hilfe der milliardenschweren Stiftung Interogo in Liechtenstein soll der 84-Jährige demnach die Geschicke des Konzerns bis heute mit fester Hand steuern - und zudem von den weltweit mehr als 300 Warenhäusern Gewinne abschöpfen.

Kamprad selbst behauptete bislang, er habe sich seit Jahren aus dem Unternehmen zurückgezogen und das Management einer niederländischen Stiftung überlassen. Die Enthüllungen sorgten in Schweden für einigen Wirbel. Kamprad sah sich bereits gezwungen, Teile des Berichts zu bestätigen.

Die Finanzen hinter den blaugelben Fassaden der Möbelmärkte sind Beobachtern schon lange ein Rätsel. Trotz seiner Präsenz in 38 Ländern ist das Unternehmen nicht an der Börse notiert und befindet sich - vermutlich - in Familienbesitz. Ganz genau weiß man es nicht. Denn Ikeas Konzernstruktur ist in etwa so übersichtlich wie jene Bauanleitungen, die das Unternehmen seinen Möbelpaketen beilegt: Auf den ersten Blick sieht alles ganz einfach aus, doch bei genauerer Betrachtung wird es knifflig.

Bekannt war, dass der Konzern als solcher der niederländischen Stiftung "Stichting Ingka Foundation" gehört. Sie hat nach dort geltendem Recht keine Publikationspflicht. Eine schwedische Wirtschaftszeitung bekam vor Jahren Einblick in die Bilanzen und berichtete, die Stiftung habe zwischen 2000 und 2008 insgesamt 20 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet.

Doch ist das nicht alles: Neben der Stiftung gibt es in den Niederlanden noch die unabhängige Holding Inter Ikea Systems B.V., die alle Marken- und Patentrechte hält. Sie tritt ist Franchisegeber für die Warenhäuser und bekommt von diesen Lizenzgebühren in Höhe von drei Prozent des Umsatzes.