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Modewoche Berlin:Mehr Emotion, mehr Kontakte im Netz

Aus „Green showroom“ und „Ethical fashion show“ wird künftig Neonyt, eine Plattform für nachhaltige Mode in Berlin.

(Foto: Getty Images)

Die Anbieter von Modemessen wollen zur Berliner Modewoche im Januar einiges verändern, um mehr Kunden anzusprechen.

Kaum eine Branche wandelt sich derzeit so stark wie die Modebranche. Viele Einzelhändler stehen durch den Onlinehandel unter Druck. Dies macht sich auch auf den Messen bemerkbar, wo tendenziell immer weniger Firmen und Einkäufer zu sehen sind. Die Macher von Modemessen sind daher besonders gefordert, sich neue Konzepte zu überlegen, um Händler und Besucher an ihre Stände zu locken.

Zur Berliner Modewoche im Januar will die Premium Group Ausstellern dabei helfen, sich besser in Szene zu setzen. "Dazu gehört eine einladende Standgestaltung und eine klare Positionierung", erklärt Anita Tillmann, Geschäftsführerin der Premium Group. "Emotionalisierung findet nicht erst beim Endkonsumenten statt, sondern im direkten Austausch zwischen Industrie und Handel." Seit Jahresbeginn gehört die Premium Group, die in Berlin die Veranstaltungen Premium, Show & Order X Premium, Seek und Bright sowie die Konferenz Fashiontech ausrichtet, zu Clarion Events. Das Londoner auf Eventmanagement spezialisierte Unternehmen will die Internationalisierung vorantreiben. Jüngst hat sich der Berliner Modemessen-Spezialist dafür mit der amerikanischen Liberty Fairs Fashion Group zusammengeschlossen, die eigene Messen in New York City, Las Vegas und Miami Beach veranstaltet. Dabei werde auch ein neues Konzept im Bereich Damenmode für den Standort New York entwickelt. Am Standort München wird die Premium Group dagegen zur Ordermesse für die Wintersaison 2019/ 2020 nicht mehr vertreten sein. Bereits in den vergangenen Saisons hat sich abgezeichnet, dass Aussteller zur Supreme Group ins "MTC World of Fashion" in die Taunusstraße gewechselt sind. Die Premium Group war seit 2006 in der Zenith-Halle, wo bis zu 600 Kollektionen gezeigt wurden, darunter Marken aus dem Mode-, Accesoires- und Schuhbereich.

Auch die größte deutsche Modemesse Panorama geht neue Wege. Etwa 50 000 Fachbesucher aus 96 Ländern kommen jede Saison in die Hallen der Messe Berlin. Im Sommer verzeichnete die Messe einen leichten Besucherrückgang. Nun will sich der Anbieter stärker fokussieren und die Flächen noch besser kuratieren, und mehr aus Sicht der Konsumenten denken: "Wir sind Veranstalter, kein Vermieter", sagt Jörg Wichmann, Geschäftsführer der Panorama. Im Januar sollen 700 Labels in sieben Hallen präsentiert werden. Der Eingangsbereich wird neu gestaltet. Die Registrierung soll Teil des Events werden und findet nicht mehr im Eingang Messe Süd statt, sondern wird auf die Vorfläche der Messe geholt.

Wichmann ist es wichtig, der Industrie einen digitalen Zugang zu den Kunden zu ermöglichen. Dazu soll es Vorträge im Bereich digitales Marketing und Kooperationen mit Influencern geben. "Probleme hat, wer profillos ist und nicht online wie offline mit seinen Kunden interagiert." Trotz der Umbrüche durch die Digitalisierung sieht Wichmann die Lage positiv. "Der Gesamtumsatz mit Mode beträgt in Deutschland 65 Milliarden Euro im Jahr, etwa 58 Prozent macht der textile Fachhandel." 17 200 Modeeinzelhändler gibt es hierzulande noch. Seit dem Jahr 2010 verlor die Textilbranche jährlich fast 1000 Händler. Ganz ausschließen will Wichmann eine Öffnung der Messe für Endverbraucher nicht: "Wir sind mit dem Handel und den Ausstellern in Gesprächen." Als Pluspunkt sieht er die Schauen an. "Die Berliner Modewoche hat ein tolles, vielfältiges Angebot an Mode, einen besonderen Standort und noch wesentlich mehr Potenzial. Wir brauchen uns vor Mailand, Paris und New York nicht zu verstecken", sagt Wichmann.

Die ökologische Modemesse Neonyt ist für die Frankfurter ein Experimentierfeld

"Events und Defilees werden immer wichtiger für eine Messe", sagt auch Thimo Schwenzfeier, der bei der Messe Frankfurt für die ökologische Modemesse Neonyt verantwortlich ist. Neonyt geht aus dem Berliner Messe-Duo "Ethical Fashion Show Berlin" und "Greenshowroom" hervor. Mit dem neuen Namen will sich der Veranstalter ein modischeres Image verpassen und Vorurteile, die immer noch gegenüber ökologischen Modelabels bestehen, abbauen. Dazu will die Messe bei der Ausrichtung der Labels neben ökologischen Aspekten stärker auf den Modegrad achten.

Für Berlin haben sich die Frankfurter entschieden, da Berlin in Sachen Mode nun einmal führend sei. Dass sich dort die Anbieter aufgrund des starken Wettbewerbs aufreiben, sieht Schwenzfeier nicht: "Es gibt genug Kuchen für alle." Neonyt ist mit 150 Labels für die Frankfurter, die mit mehr als 50 Textilmessen weltweit Marktführer sind, auch ein Experimentierfeld. "Der Grund, warum wir die Messe machen, ist die Bedeutung der Nachhaltigkeit für die gesamte Mode- und Textilindustrie. Mit unseren Aktivitäten in Berlin profitieren unsere weltweiten Textilmessen insbesondere vom Know-how-Transfer, vom Networking und vom Marketingeffekt." Mit kaum einer Veranstaltung erzielt die Messe weltweit so ein breites Medienecho. In der vergangenen Saison kamen 100 000 Fachbesucher auf die Berliner Modewoche. "Die Modebranche ist immer auch Taktgeber. Auch eine Maschinenbranche kann auf einer Modemesse viel lernen, beispielsweise wenn es um die Inszenierung von Produkten oder Marken geht. Ich empfehle jedem, sich das anzusehen und sich davon inspirieren zu lassen", sagt Schwenzfeier.