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Moderne Arbeitsräume:80 Prozent weniger Papier

Schulte-Bockum teilt seit etwas mehr als zwei Jahren seinen Schreibtisch mit vier anderen Vorstandskollegen. Und das, was sich normalerweise in so einem Chefbüro stapelt, liegt auf einer Festplatte. Der 48-Jährige arbeitet fast ausschließlich vom Laptop aus. Als das Unternehmen auf den neuen Campus gezogen ist, hat er seinen etwa 5000 Mitarbeitern nicht nur den festen Platz, sondern auch den Papierkorb unterm Tisch weggenommen. "Spätestens, wenn sich all das Papier auf dem Schreibtisch stapelt, merken die Leute, dass das meiste davon unnötig ist", sagte er damals. Die Sache hat sich ausgezahlt: Am neuen Standort kommen sie mit 80 Prozent weniger Papier aus und mit 1000 Schreibtischen weniger als es Mitarbeiter gibt. Eng geworden ist es trotzdem nicht. Die Hälfte ihrer Arbeit dürfen die Angestellten von zu Hause aus erledigen.

Was wie eine gute Nachricht klingt, ist es nur auf den ersten Blick: "Ganz gleich, ob die Unternehmen versuchen, den Mitarbeiter möglichst lange bei sich zu behalten oder ihn zu Hause arbeiten zu lassen, es geht um das gleiche Ziel: Immer mehr in die Privatsphäre einzudringen - und letztendlich die Persönlichkeit zu vereinnahmen", sagt Karlheinz Zauss von der Firma Geramöbel. Wenn der Mitarbeiter sich im Büro wohlfühlt, weil der Filzohrensessel Wohnzimmerstimmung simuliert, bleibt er auch mal länger. Und wenn er den schicken Laptop mit nach Hause nimmt, macht er ebenso auch mal Überstunden.

Ob das tatsächlich funktioniert? Bislang gibt es kaum Untersuchungen über die Wirkung der neuen Büros. Einig sind sich alle aber in einem Punkt: Neue Sessel und neue Laptops reichen nicht. "Wenn es keine Kultur der offenen Kommunikation gibt, hilft auch die schönste Kaffeelounge nicht", sagt Barbara Schwaibold.