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Modelle gegen die Krise:Revolten und Generalstreiks

Allerdings sind die chinesischen Spezialzonen nicht eine Art Gewerbegebiet mit günstigen Steuern, billigem Strom und gutem Verkehrsanschluss am Rande einer Stadt. In China wurden ganze Provinzen zu solchen Zonen gemacht. Die ersten fünf Sonderwirtschaftsgebiete des Landes sorgten 2006 schon für fünf Prozent des Sozialprodukts und für neun Prozent der ausländischen Direktinvestitionen.

Auch auf den Philippinen haben die Enklaven funktioniert. "Mindestens 85 Prozent der Exporte des Landes gehen auf Sonderwirtschaftszonen zurück", sagt Cid. L. Terosa von der University of Asia and the Pacific über die Entwicklung des Inselreiches. "Unsere Hauptexportprodukte wie Halbleiter und verwandte Waren, werden in Sonderwirtschaftszonen hergestellt."

Ungewollte Folgen

Klagen gibt es aus Indien. Mitte des vergangenen Jahrzehnts kam es auf dem Subkontinent zu Revolten und Generalstreiks, weil die Regierung eine Sonderwirtschaftszone in Westbengalen einrichten wolle. Die Menschen gingen auf die Straße. Sie wollten keinen Anschluss an die globalisierte Welt. Dem indischen Staat sind nach Untersuchungen durch Sonderzonen für Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren Steuern von über 40 Milliarden Dollar entgangen. Das sorgt für Frust in einem Land, in dem es an grundlegenden Leistungen des Staates für die Menschen fehlt.

Oft hat die Einrichtung einer Schutzzone für die Politiker ungewollte Folgen. Nicht selten müssen Regierungen zum Ausgleich Firmen subventionieren, die außerhalb der Zonen liegen und nicht von Sonderregeln profitieren. Oft wechseln Unternehmen einfach in eine Wirtschaftszone. Am Ende hat der Staat weniger Steuereinnahmen, aber die Volkswirtschaft keinen zusätzlichen Job.

Daher sehen Ökonomen Sonderwirtschaftszonen nicht nur positiv. Was ist, wenn die Regelungen für die Sonderzone auslaufen und die Zeit der Erleichterungen vorbei ist? "Dann ist keineswegs sicher, dass die Unternehmen in die Normalität übergehen", weiß Ökonom Christian Dreger vom DIW in Berlin. "Damit haben sie mitunter Schwierigkeiten."

© SZ vom 01.09.2012/fzg
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