Nach einem zufriedenstellenden Geschäftsjahr will sich Zalando vor allem in zwei Segmenten deutlich stärker aufstellen: Im Geschäft mit Luxus-Mode sowie mit Second-Hand-Kleidung. "Wir sind ein ziemlich großes Unternehmen", sagte der Chef der Mode-Plattform Zalando, Rubin Ritter. "Aber verglichen mit den vor uns liegenden Möglichkeiten sind wir noch klein." Zalando schätzt den weltweiten Gesamtmarkt für Mode auf derzeit rund 450 Milliarden Euro. Rund ein Viertel davon werde online umgesetzt. Zalando will seinen Marktanteil in den kommenden Jahren auf fünf Prozent ausbauen. "Das zeigt, wie viel Wachstum noch möglich ist", sagte Ritter. Kein Segment wachse online derzeit so stark wie Luxus-Marken. Bis 2023 will Zalando das entsprechende Sortiment verdoppeln. "Die Premium-Kategorie ist in den letzten Monaten am schnellsten gewachsen und wir sehen großes Potenzial, darauf aufzubauen", erklärte der Zalando-Co-Vorsitzende David Schneider. Dabei nimmt Zalando vor allem jüngere Kunden ins Visier. "Das Unternehmen führt seit kurzem Marken wie Moschino Couture und Alberta Ferretti", hieß es. Weitere Angebote sollen folgen.
Zudem soll das Geschäft mit nachhaltiger und Second-Hand-Kleidung ausgebaut werden. Schon jetzt können Kunden über eine App ihre gebrauchte Kleidung fotografieren und an Zalando verkaufen. Von Herbst an soll diese Möglichkeit über die Zalando-Plattform auch allen anderen Kunden geöffnet werden. Das Unternehmen bezahlt allerdings kein Geld, sondern gibt Gutscheine aus.
Im vergangenen Geschäftsjahr hat Zalando den Umsatz um gut 20 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gesteigert. Das Bruttowarenvolumen, das Gesamtausgaben von Kunden sowohl für Waren von Zalando als auch für solche aus dem Partnerprogramm mit anderen Händler umfasst, stieg um knapp 24 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Zalando mit gut 99 Millionen Euro fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Zalando legte vor allem im Schlussquartal, das auch das Weihnachtsgeschäft umfasst, deutlich zu. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Umsatzwachstum. Nicht enthalten in der Prognose sind aber mögliche negative Effekte durch das Coronavirus.
Allerdings bleiben weitere Baustellen: So lag die Zahl der Bestellungen pro Kunde bei 4,7 und damit um 6,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig ging die durchschnittliche Warenkorbgröße mit 56,6 Euro leicht zurück. Die Börse reagierte verhalten. Die Aktie sackte zeitweise um mehr als neun Prozent ab und waren damit das Schlusslicht im schwachen M Dax, erholte sich anschließend wieder etwas. Grund dürfte vor allem der aus Sicht der Händler verhaltene Ausblick des Unternehmens sein.
