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Mode:Existenzkampf

Die Corona-Pandemie trifft die Händler und Hersteller von Bekleidung schwer. Nun muss auch Appelrath Cüpper Insolvenz anmelden. In den Herstellungsländern in Asien wurden Millionen Fabrikarbeiter nach Hause geschickt.

Viele Modehändler kämpfen derzeit um ihre Existenz, weil die Läden geschlossen sind. Es trift große und kleine Ketten. Esprit hat schon Insolvenz angemeldet. Nun traf es Appelrath Cüpper mit rund Tausend Mitarbeitern, 16 Filialen und 110 Millionen Euro Umsatz. Der Händler will sich in Eigenverwaltung sanieren. Zwar sei die Situation auch vor Corona nicht einfach gewesen, wird Vorstandschef Lothar Schäfer in einer Mitteilung zitiert. Aber aufgrund diverser Restrukturierungsmaßnahmen habe sich Appelrath Cüpper auf einem guten Weg befunden. Corona habe "schlagartig" alle verändert. "Unser Umsatz ist nahezu komplett eingebrochen", klagt Schäfer.

Neben Gastronomie und Tourismus sei die Bekleidungsindustrie am stärksten von der Krise betroffen, schreiben die Berater von McKinsey in einer Aktualisierung des jährlichen Berichts zur Modeindustrie. Die Ladenschließungen hätten gravierende Folgen. "Bereits eine zweimonatige Schließung der Ladengeschäfte bringt 80 Prozent der europäischen und nordamerikanischen Mode-Unternehmen in schwere finanzielle Not. Auch der Online-Handel leide, allein in Europa liege der Umsatzrückgang zwischen fünf und 20 Prozent. "Die Krise flößt vielen Menschen Angst ein", sagt McKinsey-Modeexperte Achim Berg. Außerdem seien die Kleiderschränke gut gefüllt, und es fehlten die Gelegenheiten, Mode zu tragen. Gut ein Fünftel der Befragten in Deutschland, Spanien und Großbritannien gaben in einer Umfrage an, selbst nach der Wiedereröffnung der Läden weniger Kleidung kaufen zu wollen, so die Studie.

Das Elend zieht sich durch die ganze Wertschöpfungskette. "Am anderen Ende der Lieferkette, in der Produktion, sind die Auswirkungen verheerend", schreibt die Stiftung Fair Wear Foundation in einer Mitteilung. Sie setzt sich für faire Bedingungen in der Textilindustrie ein. Viele Modemarken lassen ihre Waren in Asien und Osteuropa schneidern, in Ländern wie China, Indien, Indonesien, Pakistan oder Bulgarien. Tausende Fabriken in den Herstellungsländern haben der Stiftung zufolge geschlossen, Millionen von Arbeitern seien nach Hause geschickt worden. "Die meisten von ihnen haben kein Einkommen, um ihre Familien in der Krise zu ernähren und vor Infektionen zu schützen." Die Stiftung appelliert an die Abnehmer, unter anderem versandfertige Bestellungen nicht zu stornieren.

© SZ vom 09.04.2020

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