Mobiltelefone Was Handyversicherungen leisten - und was nicht

Bei vielen Handyversicherungen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

(Foto: imago/imagebroker)
  • Viele Handyversicherungen schützen nicht ausreichend gegen Diebstahl oder Verlust und sind außerdem zu teuer.
  • Das ergab eine Untersuchung von 50 Angeboten durch die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa.
Von Anna Gentrup

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa ist nicht zufrieden mit den Schutzpaketen, die Versicherer für Mobiltelefone anbieten. Die Policen seien im Vergleich zur gebotenen Leistung zu teuer. Einige Tarife hätten in Relation zur Wertentwicklung von Mobiltelefonen zu lange Laufzeiten. Zudem kritisiert die Aufsicht, Versicherer würden ihre Kunden nicht ausreichend informieren - sowohl über ihren Vertrag als auch bei Schäden und Beschwerden. Außerdem müssten die Gesellschaften ihren Kunden die Produkte und die darin enthaltenen Garantien besser erklären, fordert die Behörde.

Der Vorsitzende der Versicherungsaufsicht Gabriel Bernardino hatte im November ankündigt, die Eiopa werde sich künftig mit vorbeugendem Verbraucherschutz befassen, um Falschberatung und ähnliche Probleme zu verhindern.

Mit Mobiltelefon-Versicherungen können Besitzer ihre Geräte vor typischen Alltagsgefahren schützen. Je nach Tarif zahlt der Versicherer, wenn das Smartphone abhandenkommt oder gestohlen wird, oder wenn das Display des Gerätes beim Sturz auf den Fußboden zerschellt.

Zu teuer bei zu wenig Leistungen

Internethändler wie Amazon, Saturn und Mediamarkt vertreiben die Policen mit Namen wie "Plusgarantie" oder "Plusschutz" im Auftrag der Versicherer. Der Kunde kann den Geräteschutz beim Kauf eines neuen Smartphones gegen Aufpreis hinzubuchen. Der Einzelhändler erhält dafür eine Verkaufsprovision. Wie viel die Versicherung kostet, hängt vom Kaufpreis des Mobiltelefons ab. Bei einem iPhone 6s im Wert von etwa 800 Euro kostet die Police rund 200 Euro. Bei einem günstigen 100-Euro-Smartphone sind immerhin noch etwa 40 Euro zu bezahlen. Die Provisionen erreichen oft 50 Prozent der Prämie.

Auch Verbraucherschützer kritisieren die Versicherungen scharf. Zu teuer bei zu wenig Leistung, lautet ihr Urteil. Außerdem würden die Tarife Verbraucher vom Abschluss wirklich wichtiger Versicherungen wie einer Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung ablenken.

Im Gegensatz zu Verbraucherschützern findet die EU-Versicherungsaufsicht die Schutzpakete für das Mobiltelefon grundsätzlich sinnvoll. Handyversicherungen würden europäischen Versicherten nützliche Deckung für ein Produkt ermöglichen, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die Hälfte der geprüften Angebote schützt nicht gegen Diebstahl

Dennoch übt die Eiopa Kritik an den Schutzangeboten der Versicherer - vor allem an deren Leistung. Sehr häufig enthielten die Policen weitreichende Leistungsausschlüsse. Bei der Hälfte der untersuchten Angebote von 50 Versicherern aus 23 Ländern Europas schloss der Anbieter Leistungen in Zusammenhang mit einem Diebstahl aus, 32 Prozent der Policen schränkten die Leistung nach dem Verlust des Mobiltelefons ein. Verschärfend kommt hinzu, dass Versicherer ihre Kunden nach Meinung der Aufsichtsbehörde nur schlecht über den Umfang der angebotenen Leistungen beraten.

Die Aufsicht fordert die Versicherer auf, Verbraucher umfassend über die Eigenschaften der Schutzangebote zu informieren. Sonst drohe ein Missverhältnis zwischen dem, was Versicherer anbieten, und dem, was Verbraucher glauben, abgeschlossen zu haben. Die Gesellschaften sollten sicherstellen, dass Kunden positive Erfahrungen machen.

Versicherungsbetrug Das Märchen vom Totalschaden
Versicherungsbetrug

Das Märchen vom Totalschaden

Schnell mal ein kaputtes Handy melden: Viele Deutsche betrügen ihre Versicherung - und das meist ohne schlechtes Gewissen. Die Konzerne kostet das Milliarden, aber sie kommen Betrügern immer öfter auf die Spur.   Stefan Weber