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Mobilität:Nur vernetzter Verkehr hat Zukunft

Der Wandel wirft Fragen auf, die im gesellschaftlichen Konsens beantwortet werden müssen: Wie sollen Straßen genutzt werden? Bleiben Innenstädte künftig autonomen Autos vorbehalten? Wo und wie viel Platz muss für Radfahrer und Fußgänger freigemacht werden? Welchen Beitrag kann eine CO₂-Steuer für Verbrennungsmotoren leisten, um den Umbau des Verkehrssystems zu finanzieren? Für Geldgeber, Hersteller, Verkehrsdienstleister und auch für Nutzer sind dies wichtige Richtlinien, an denen sie sich orientieren können. Nur so können passende Produkte und Angebote entwickelt werden.

Klar ist auch, dass es den Wandel nicht zum Nulltarif gibt. Deshalb muss auch die Finanzierungsfrage diskutiert und geklärt werden. Noch kommen gut 80 Prozent der staatlichen Verkehrsausgaben dem Auto zugute, etwa für den Ausbau von Straßen, Autobahnen und deren Instandhaltung. Geld, das an andere Stelle fehlt, beim Auf- und Ausbau einer vernetzten Verkehrsinfrastruktur, die nicht mehr das Auto an die erste Stelle setzt, sondern einen Mix an flexiblen Transportmitteln. Voraussetzung für deren Vernetzung ist ein stabiles und leistungsstarkes Mobilfunknetz, das die unzähligen Löcher im Flickenteppich auf der deutschen Landkarte schließt. Ein Kraftakt, den die Politik viel entschiedener fördern muss als bisher.

Denn ohne Digitalisierung wäre das Verkehrssystem von morgen undenkbar. Sie macht es erst möglich, alle Angebote so zu vernetzen, dass Nutzer schnell und einfach darauf zugreifen können. Apps wie der DB-Navigator der Deutschen Bahn oder Google Maps machen es schon jetzt möglich, bei Reisen in fremde Städte Bus, Bahn, Taxi und zum Teil auch Carsharing zu nutzen, zu buchen und zu bezahlen. Die Programme werden jeden Tag besser, weil immer mehr öffentliche Nahverkehrsbetriebe ihre Fahrpläne und Tarife einspeisen, Mietwagenfirmen Einblick in ihre Buchungssysteme geben und sich lokale Anbieter von Mieträdern anschließen. Noch sind längst nicht alle Verkehrsbetriebe angebunden, doch der Anreiz ist vorhanden. Wer seine Fahrpläne mit anderen abstimmt, gewinnt mehr Fahrgäste - und das ist gut fürs Geschäft.

Wenn die Verkaufszahlen von E-Autos wie erwartet bald deutlich steigen, wächst auch der Bedarf an Ladekapazität. Hier weist die App den Weg zur nächsten Ladestation, und die muss nicht unbedingt von einem Stromlieferanten am Straßenrand aufgestellt sein. Auch Privatleute könnten ihren Solarstrom verkaufen, wenn sie eine passende Steckdose anbieten und an ein Abrechnungssystem angeschlossen sind. Autohersteller wandeln sich zu Mobilitätsanbietern, die Carsharing-Flotten managen und zusätzliche Dienstleistungen anbieten, etwa den Transport von Waren.

Dies sind nur ein paar Beispiele, die deutlich machen, dass mit der zunehmenden Vernetzung neue Geschäftsmodelle und Serviceangebote entstehen. Alle zusammen können den Lebensstil und das Verständnis von Mobilität grundlegend verändern. Das eigene Auto wird dann nicht mehr unverzichtbar erscheinen.

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