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Mobilität:Der Verkehr von morgen: klimaneutral, flexibel und nachhaltig

Der Autoschlüssel von morgen ist dabei das Smartphone. Eine App berechnet den schnellsten und bequemsten Weg und bietet infrage kommende Verkehrsmittel an. Sie schaltet das Mietrad frei, öffnet das Auto, liefert das Busticket und regelt auch die Bezahlung. Das Verkehrsaufkommen nimmt ab, weil die Fahrzeuge nicht wie Autos heute die meiste Zeit ungenutzt herumstehen, sondern in Bewegung sind. Wenn zugleich die Zahl der insgesamt zugelassen Fahrzeuge drastisch sinkt, entsteht so in den Städten neuer Lebensraum.

Doch wer die Menschen zum Umsteigen bewegen will, muss überzeugende Angebote machen - Diesel-Fahrverbote, wie sie in Stuttgart, Hamburg oder Essen verhängt wurden und nun auch in anderen europäischen Großstädten drohen, helfen da nicht weiter. Sie sind nur ein Symptom für die Hilflosigkeit der Politik. Tatsächlich geht es um das Aus für ein überkommenes Verkehrsmodell, das am Tropf der Ölindustrie hängt und im Bann einer schier übermächtigen Autolobby steht.

Doch der Wandel wird sich nicht aufhalten lassen. Nach dem Kutschen-, Eisenbahn-, und Automobil-Zeitalter steht ein neuer großer Umbruch bevor. Das Verkehrssystem von morgen kann und muss klimaneutral, flexibel und nachhaltig sein. Fest steht auch, dass dieser Umbruch ökonomische und gesellschaftliche Verwerfungen mit sich bringt - es wird Gewinner und Verlierer geben. Deshalb ist es wichtig, diesen Wandel mutig und vorausschauend zu gestalten. Statt über die Zukunft von Dieselautos zu streiten, muss endlich darüber diskutiert werden, was danach kommen soll.

In einigen europäischen Städten wird der Umbau des Transportsystems bereits energisch vorangetrieben. Helsinki führt ein Verkehrsticket ein, bei dem im Preis alles inbegriffen ist, Bus, Bahn, Mietwagen, Taxi, Fähre, E-Bike. Eine App verbindet alle Transportmittel. Madrid hat die Parkflächen für Autos in der Innenstadt drastisch reduziert, mehr Platz für Radler und Fußgänger geschaffen, dafür kommen Bus und Bahn jetzt häufiger. In Mannheim entsteht auf dem Gelände einer ehemaligen US-Kaserne ein neuer Stadtteil, in dem ein eigenes Auto unerwünscht ist. Dafür gibt es breite Wege für Radfahrer und Fußgänger und eine kostenlose Straßenbahn.

Das sind erste Ansätze, doch das allein reicht nicht. Was Deutschland braucht, ist ein nationaler Mobilitätspakt, der die Leitplanken für das Verkehrssystem von morgen setzt. Wer etwa glaubt, dass E-Autos die einfache Lösung aller Probleme sind, irrt gründlich. Batteriebetriebene Fahrzeuge verursachen einen gigantischen Rohstoff- und Energieverbrauch, wollte man Benziner und Diesel eins zu eins ersetzen.

Verkehrsexperten warnen zudem, dass mit autonom fahrenden Autos der Verkehr noch weiter zunehmen könnte. Werden sie bedenkenlos in großer Anzahl zugelassen, verstopfen sie die Straßen noch mehr. Vernünftig eingesetzt, als Teil einer Carsharing-Flotte, können sie das Verkehrsaufkommen dagegen entlasten. Wirklich sicher unterwegs sind die autonomen Wagen auch erst dann, wenn nicht parallel dazu fahrergesteuerte Autos fahren.