Mobilfunk Kunden zahlen fürs Surfen bald mehr

Telekom-Chef Tim Höttges freut sich: Das bunte kleine Ding ist ein Beamer und wirft Bilder auf die Wand.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Webseiten sollen sich bald in Millisekunden aufbauen. Die Mobilfunkkonzerne werden für mehr Daten auch mehr verlangen.

Von Varinia Bernau, Bonn

Irgendwann, als Finanzchef Thomas Dannenfeldt die Kennziffern der Bilanz herunter rattert, zückt Konzernchef Tim Höttges ein kleines Würfelchen, einen Mini-Beamer, und projiziert damit ein Bild auf die Wand. Dabei freut er sich wie ein kleines Kind, das dem Lehrer einen Streich spielt. In solchen Momenten zeigt sich nicht nur, wie sehr sich der Chef der Deutschen Telekom für die technischen Spielereien seiner Branche begeistert. Es zeigt sich auch, wo seine Hoffnung liegt.

Das Bild, das er erst wenige Tage zuvor beim Mobile World Congress in Barcelona mit seinem Smartphone gemacht hat, zeigt Höttges mit dem Rapper Will.i.am. Der hat einst mit Dr. Dre den Kopfhöreranbieter Beats gegründet und vor zwei Jahren für drei Milliarden Dollar an Apple verkauft. Nun will Will.i.am ein Betriebssystem entwickeln, das sich per Sprachbefehl steuern lässt. Das erste Gerät, das davon angetrieben wird, ist seine Uhr Dial. Die Telekom bringt das Ding als erster Anbieter in deutsche Läden und hilft dem rappenden Entrepreneur auch bei der Finanzierung. Für den Beamer, nicht mal so groß wie ein Zauberwürfel, hat sich der Bonner Konzern dann noch mit einem südkoreanischen Partner zusammengetan.

"Die großen Internetkonzerne, die wir immer bewundert haben, kommen jetzt auf uns zu", sagt Höttges. "Wir sind auf Augenhöhe." Vorbei also die Zeiten, in denen die Mobilfunkanbieter die Netze ausbauen mussten, in denen Apple, Google und Facebook dann die Gewinne abschöpften? Auch die Virtual-Reality-Brille, wie sie ebenfalls in Barcelona vorgeführt wurde, kaufe sich ja auch nur jemand, wenn er auf ein Netz zugreifen kann, das schnell genug ist, um den Betrachter wirklich in die virtuellen Welten zu bringen. "Und wenn er die Tarife bekommt, die es ermöglichen, diese Technik so zu nutzen, dass er es sich leisten kann."

Eine Ahnung davon, was die Kunden für die neue digitale Welt zahlen müssen, bekommen sie Mitte April: Dann führt die Telekom neue Mobilfunktarife ein, die zwar größere Datenpakete umfassen, aber auch fünf Euro mehr kosten. Und die alten Tarife? Verschwinden. Für Ökonomen ist das ein Indiz dafür, dass nun kommt, wovor sie vor dem Zusammenschluss der Mobilfunkanbieter Telefónica Deutschland und E-Plus gewarnt haben: Wenn es nur noch drei statt vier Anbieter gibt, werden die Preise steigen. Auch Thorsten Dirks, der kurz vor Höttges die Bilanz fürs erste Geschäftsjahr nach dieser Fusion vorlegte, beobachtet, dass Kunden zugreifen, wenn man ihnen größere Datenpakete anbiete. Die Datenmenge, die der Kunde von Telefónicas edelster Marke O2 im Schnitt verbraucht, hat sich im vergangen Jahr fast verdoppelt. Nun stelle sich die Frage, wie das Unternehmen mit diesem neuen Bedürfnis Geld verdient. Größere Datenpakete zu höheren Preisen, das "sei ein Weg - und besser, als den Kunden in eine Drosselung laufen zu lassen", sagt Dirks. Er schaue sehr genau an, was die Telekom da mache. "Und wir reagieren darauf."

Für den Kunden muss das übrigens gar nicht mal schlecht sein: Denn die Anbieter tun auch einiges, um ihre Netze aufzurüsten. 10,8 Milliarden Euro habe die Telekom allein im vergangenen Jahr in ihre Netze investiert, rechnet Höttges vor. Der zumindest am Umsatz gemessene kleinere Rivale Telefónica Deutschland war da deutlich zurückhaltender - mit etwas mehr als einer Milliarde Euro.

Die neuen Mobilfunknetze der fünften Generation sollen von 2020 an aufgebaut werden. Sie sind nicht nur in der Lage, diese enorm steigenden Datenmengen durchzuschleusen. Sie reagieren auch schneller. Die Zeit zwischen einem Befehl an ein Gerät, etwa eine Internetseite aufzubauen, und dem Moment, in dem diese bereits zu sehen ist, liegt dann nur noch bei einer Millisekunde. Solch kurze Latenzzeiten ermöglichen es zum Beispiel, wie die Telekom ebenfalls in Barcelona vorführte, dass ein Roboter einen Ball auffangen kann. Aber bislang gibt es diese neuen Netze nur im Forschungslabor. Noch sind die Anbieter gut damit beschäftigt, die Netze der vierten Generation, auch bekannt unter dem Kürzel LTE, weiter auszubauen. Die Telekom erreicht damit 90 Prozent, der Rivale Telefónica 75 Prozent der deutschen Bevölkerung.