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Mobilfunk:Gut gefiltert ist halb gesendet

Christian Block, 57, leitet beim US-Chiphersteller Qualcomm den Bereich, in dem es um Filtertechnik geht. Er hat in Braunschweig Elektrotechnik studiert und dann bei Siemens begonnen.

(Foto: oh)

Die Qualcomm-Dependance in München liefert eine wichtige Technologie für den neuen Mobilfunk 5G: die Filtertechnik. Und die kann man sich vorstellen wie bei einem UKW-Radio.

Von Helmut Martin-Jung

Es ist ja alles so schön einfach. Ein bisschen tippen, ein bisschen wischen - und schon blättert man auf dem Smartphone durch die News des Tages, sieht, womit die Freunde so angeben und erfährt brühwarm, was der US-Präsident mal wieder auf Twitter von sich gegeben hat. Die Technik dahinter ist allerdings alles andere als einfach, in den nur handgroßen Geräten steckt jede Menge hoch spezialisierter Technik, von den Chips bis hin zu Bildschirmen aus selbstleuchtenden Dioden. Wer darüber etwas erfahren will, kann zum Beispiel mit Christian Block sprechen.

Block arbeitet bei dem US-Konzern Qualcomm, einem der wichtigsten Zulieferer der Branche. Der entwickelt nicht nur die wenigstens in der Szene recht bekannten Snapdragon-Prozessoren, die Rechenherzen vieler Top-Smartphones. Technik des Konzerns aus San Diego, Kalifornien, macht es auch möglich, dass die Geräte überhaupt per Funk kommunizieren können. Der deutsche Qualcomm-Ableger, der in München beheimatet ist, liefert dabei eine Kerntechnologie: Die Filtertechnik.

Man könne sich das vorstellen wie bei einem UKW-Radio. Die verschiedenen Sender müssen sauber voneinander getrennt werden, sonst beeinflusst einer den anderen, die Tonqualität leidet.

Besonders bei der kommenden 5G-Technik sei das wichtig, sagt Block, der bei Qualcomm für das gesamte sogenannte Radio Frequency Front End verantwortlich ist. Denn bei dieser Technik würden verschiedene Bänder - also Teilbereiche im Frequenzspektrum elektromagnetischer Wellen - miteinander kombiniert. Diese "hohe Komplexität" könne ohne ausgefeilte Filtertechnik nicht funktionieren. Vor allem bei den Premiumherstellern ist Qualcomm daher gut im Geschäft, fast 400 5G-Smartphones seien derzeit in Entwicklung, sagt Block. Er ist sich sicher, dass die 5G-Technologie sich wesentlich schneller verbreiten werde als die Vorgänger 4G und vor allem 3G.

In 35 Ländern werde es bereits eingeführt, 80 Mobilfunkanbieter seien daran beteiligt. "Das wird zehn bis 15-mal schneller gehen als bei 4G", glaubt Block. Schon jetzt seien weltweit 200 Millionen 5G-fähige Telefone im Einsatz.

Dass Qualcomm bei den Premiumherstellern hoch im Kurs steht, liege zum einen am technischen Vorsprung. "Den müssen wir halten", sagt Block. Nur so könne man sich Konkurrenz etwa von der ehemaligen Infineon-Abteilung erwehren, die nun zu Apple gehört und auch an 5G-Bausteinen arbeitet.

Allerdings will Apple wohl nicht die gesamte Bandbreite abdecken, den Hochfrequenzbereich, den Blocks 1200 Mitarbeiter in München bearbeiten, überlassen die Kalifornier zumindest vorerst Zulieferern. Und die Entwicklung eines eigenen Apple-5G-Modems dauert wohl auch noch einige Zeit.

Was Qualcomm noch von Konkurrenz unterscheide, sei, dass man die gesamte Bandbreite vom Modem bis zu den Antennen abdecke. Davon kann ein modernes Smartphone gleich mehrere enthalten. Nicht zuletzt deshalb erwartet Block daher ein Rekordquartal. Dieses Geschäft möchte er sich ungern vom Coronavirus vermasseln lassen. Daher ist er nach seinen Worten "paranoid", was die Sicherheitsregeln in seinem Unternehmen angeht. Lieber lasse er mehr Mitarbeiter zu Hause, außerdem könnten diese sich auch auf Firmenkosten auf den Erreger testen lassen.

Block will darüber hinaus nicht bei mobilen Kleingeräten stehen bleiben. Auch die Autobranche sieht er als wichtigen Kunden. Dabei gehe es ums Infotainment, aber vor allem auch um die Kommunikation von Fahrzeug zu Fahrzeug, wofür das besonders verzögerungsarme 5G-Netz eminent wichtig ist, sowie das autonome Fahren.

© SZ vom 21.08.2020
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