MobilfunkDer Kampf um die deutschen 5G-Lizenzen wird härter

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Die 5G-Lizenzen werden im Frühjahr versteigert.
Die 5G-Lizenzen werden im Frühjahr versteigert. AP
  • Mit United Internet steigt ein viertes Unternehmen in den Bieterwettbewerb um die 5G-Lizenzen ein. Es macht damit den Platzhirschen Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 Konkurrenz.
  • Experten glauben, Kunden davon profitieren könnten, weil die Konkurrenz die Preise drücken könnte.

Von Markus Balser, Berlin, und Helmut Martin-Jung

Der Name ist kurz und griffig. Mit 5G verbinden sich große Hoffnungen auf eine Zukunft ohne Funklöcher und ohne Staus beim Datenverkehr. Am Freitag ist die Frist für Unternehmen abgelaufen, sich auf Lizenzen für die Mobilfunktechnik der fünften Generation zu bewerben. Erwartungsgemäß haben die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 bestätigt, dass sie mitbieten. Sie sind jedoch nicht mehr allein, denn auch der Internet- und Mobilfunkanbieter United Internet ist jetzt über seine Tochter 1&1 Drillisch in das Bieterrennen eingestiegen. Der Termin für die Auktion steht noch nicht fest: Sie soll aber im Frühjahr sein, vermutlich Ende März.

Was aber bedeutet das, wenn ein vierter Betreiber einsteigt? Bis jetzt hatte 1&1 nur Zugang zu den Netzen der Konkurrenten gemietet. Künftig muss die Firma sie selbst bauen oder zumindest leasen - zu hohen Kosten. Bei 1&1 ist man allerdings der Ansicht, dass man sich langfristig Spielraum für andere Investitionen schafft: Wenn der Firma die Netze selbst gehören und sie keine Miete mehr zahlen muss, hat sie Geld für anderes Projekte übrig. Ob diese Rechnung aufgeht, ist keineswegs sicher. Die Anleger jedenfalls haben United Internet und 1&1 schon mächtig abgestraft, seit im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass die Unternehmen bei 5G einsteigen wollen. Drillisch-Aktien fielen um 43 Prozent, die von United Internet um 40 Prozent. Als 1&1 nun bekannt gab, bei der 5G-Auktion mitzumachen, sackten die Kurse der Unternehmen ein weiteres Mal ab.

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United Internet, das zu 40 Prozent Gründer Ralph Dommermuth gehört, geht ein großes Risiko ein. Ein Risiko, das der Konkurrent Freenet nicht wagt. Freenet mietet wie bisher auch 1&1 Kapazität in den Netzen der Konkurrenz und ist damit ziemlich erfolgreich. Freenet-Chef Christoph Vilanek hält die für ein eigenes Netz nötigen Investitionen, er spricht von zehn Milliarden Euro, für zu hoch. Allerdings sagt er der SZ auch: "Ralph Dommermuth hat bestimmt einen Masterplan."

Für die Platzhirsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 ist der Einstieg des neuen Konkurrenten eine Herausforderung. Sie argumentieren unter anderem, ein vierter Betreiber werde sich vor allem auf lukrative städtische Bereiche konzentrieren, der Ausbau in der Fläche komme dadurch nicht voran.

Die Endkunden jedoch könnten von dem Schritt profitieren, glaubt Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Der Wettbewerb in Deutschland sei bisher relativ schwach ausgeprägt, was zu hohen Preisen und mäßiger Leistung führe. Nun aber, so Gerpott, trete in United Internet ein Konkurrent auf den Plan, der mit aggressiver Preispolitik die Konkurrenz unter Druck setzen werde. Für alle geht es aber um mehr als bloß um eine neue Technik. Die Mobilfunkunternehmer müssen den technologischen Wandel auch als Chance nutzen, um sich selbst fit für die Zukunft zu machen. Die Umstellung auf 5G müsse der Startschuss für neue Geschäftsmodelle sein, sagt Olaf Riedel, Leiter Telekommunikation bei den Beratern von Ernst & Young.

Das Problem der Mobilfunker: Wenn es ihnen nicht gelingt, mithilfe ihrer Netze Möglichkeiten zu schaffen, mit denen sie Geld verdienen können, werden sie bald zu bloßen Datentransport-Unternehmen werden. Das Geld verdienen dann andere, etwa Streaming-Dienste. An Ideen, wie man gegen diese Firmen ankämpfen solle, herrsche allerdings Mangel, sagt Riedel.

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Zudem müssen die Mobilfunkunternehmen auch eine Abwägung treffen, wie sehr sie sich für den 5G-Ausbau in Unkosten stürzen sollen, sagt Ernst & Young-Experte Riedel. "Die Kosten müssen auch wieder refinanziert werden." Ob das mit Plattformen für das industrielle Internet der Dinge gelingen kann, da ist er skeptisch, denn oft wollten die Kunden nicht alle Produkte von einer Plattform beziehen. Riedel rät dazu, die Mobilfunkunternehmen sollten ihren Kunden offene und kundenzentrierte Anwendungen zur Verfügung stellen, die einen echten Mehrwert böten.

Zunächst aber müssen die Netze erst ausgebaut werden. Kritiker warnen, dass wegen der Bedingungen der Auktion die Bewohner von 20 Prozent des Landes auch künftig ohne schnellen Internetanschluss auf dem Handy auskommen müssen. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten wollte das nicht hinnehmen und forderte Nachbesserungen bei den Ausschreibungsstandards, etwa das lokale Roaming. Dabei würden Handynutzer in einem Funkloch automatisch und kostenlos mit dem Netz eines anderen Telekomkonzerns verbunden. Doch die Netzagentur lehnte diese Auflage bis zuletzt ab. Zu Ende ist der Streit noch lange nicht. Der Bauernverband warnte erst vor wenigen Tagen vor einer digitalen Spaltung. Die Netzbetreiber allerdings sehen schon die bestehenden Auflagen äußerst kritisch und haben Klagen gegen die Auktionsbedingungen angekündigt.

Noch offen ist, ob die Regierung Vorgaben bezüglich der Lieferanten für die Technologie machen wird. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte: "Die Sicherheit des Netzes ist für uns von hoher Relevanz. Beim Aufbau eines 5G-Netzes wird sich die Bundesregierung davon leiten lassen." Über ein Verbot chinesischer Technik sei aber noch nicht entschieden.

© SZ vom 26.01.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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