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MK-Kliniken:Altenheime verkauft

Der Hamburger Unternehmer Ulrich Marseille will sein Geld künftig vor allem mit der Schifffahrt verdienen.

Er baute fast aus dem Nichts ein Klinik- und Altenheim-Imperium auf, wurde so ein ziemlich reicher Mann und machte überdies Geschäfte mit Donald Trump, bevor dieser US-Präsident wurde. Nun wechselt der Hamburger Unternehmer Ulrich Marseille, 63, weitgehend die Branche. Statt im Gesundheitsbereich will er sein Geld künftig hauptsächlich in der Schifffahrt verdienen. Diesem Zweck dient auch ein Immobiliengeschäft, das die von Marseille und seiner Familie mehrheitlich kontrollierte MK-Kliniken AG und die französische Gesellschaft Icade Healthcare Europe an diesem Sonntagabend besiegelten. Demnach wechseln 19 über Deutschland verteilte Altenheim-Immobilien für knapp 260 Millionen Euro den Eigentümer.

Im Grunde ist es die Vollendung dessen, was vor gut zwei Jahren begann. Damals trennte sich die MK-Kliniken AG von ihrem Kerngeschäft und verkaufte für etwa 300 Millionen Euro den Betrieb von 46 Altenheimen. Sie gingen ebenfalls an ein französisches Unternehmen, nämlich die Investorengruppe Chequers Capital. MK-Kliniken verlor 2017 dadurch zwei Drittel des damaligen Umsatzes sowie 5400 Heim- und etwa 4000 Arbeitsplätze. Zur Begründung führte MK-Aufsichtsratschef Ulrich Marseille damals hauptsächlich persönliche Überlegungen an: "Ich habe keine Lust mehr, mich im harten Tagesgeschäft zu bewegen und muss auch niemandem mehr beweisen, dass ich es kann, am wenigsten mir selbst."

Verwaltungsgebäude in Hamburg: Die MK-Kliniken AG veräußerte 19 über Deutschland verteilte Altenheim-Immobilien an ein französisches Unternehmen.

(Foto: Imago)

Damals kündigte Marseille, der zu den schillerndsten und streitbarsten Unternehmern Deutschlands zählt, auch an, den Erlös aus dem Verkauf nicht ausschütten, sondern weitgehend wieder investieren zu wollen. In der Folgezeit stieg das Hamburger Unternehmen überraschend in das Geschäft mit Frachtschiffen ein. Fünf solcher Schiffe, ein jedes mit der Kapazität von 700 Containern, kaufte die MK-Kliniken AG seither.

Sie werden über die alteingesessene Hamburger Reederei Peter Hinsch weltweit verchartert. "Mit dem Tagesgeschäft haben wir nichts zu tun", sagte Marseille. Die Schiffe gehören zur Kategorie sogenannter Feederschiffe, die als Zulieferer und Verteiler Fracht zwischen Ozeanriesen und kleineren Häfen hin und her transportieren. Marseille zufolge sei aber auch eine vielseitigere Verwendung möglich. Die MK-Schiffe sind aktuell in europäischen Gewässern, der Karibik und in Asien unterwegs. Diese Aktivitäten soll das Hamburger Unternehmen nach dem Willen seines Großaktionärs und Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Marseille in den kommenden Monaten nicht zuletzt mit dem Erlös aus dem Immobiliendeal ausbauen. Darüber hinaus soll eine Kapitalerhöhung, gegen die sich kleinere Aktionäre von MK jedoch auch gerichtlich wehren, weitere 130 Millionen Euro einbringen. Unabhängig von alledem ist Marseille vom Potenzial des Container-Schiff-Geschäftes überzeugt. "Ich glaube, dass es sich auch auf längere Sicht lohnt, und die Marktbedingungen sind derzeit günstig", sagte er am Montag auf Anfrage.

Für den Immobilienkäufer Icade bedeutet derweil die Übernahme der 19 Altenheime den Einstieg in den deutschen Markt. Sie seien allesamt an Emiva vermietet, einen der zehn größten deutschen Altenheimbetreiber, erklärte das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Issy-les-Moulineaux südwestlich von Paris. "Das Portfolio bietet Potenzial für Mietsteigerungen." Die aktuelle Rendite sei marktüblich. Die 19 Altenheime beinhalten nach Angaben von Icade 2300 Betten und sind in acht Bundesländern angesiedelt.

Ulrich Marseille, 63, eröffnete 1984 das erste eigene Pflegeheim und legte so den Grundstock für die Marseille-Kliniken AG, die später in MK-Kliniken AG umfirmierte.

(Foto: oh)

Für die MK-Kliniken AG bedeutet ihr Verkauf und die damit verbundene Ausweitung der eigenen Frachtschiffahrt-Aktivitäten zwar eine Neuausrichtung, jedoch keine vollständige Abkehr vom Gesundheitssektor. Nach Angaben von Ulrich Marseille will MK sich auch künftig vor allem an Dienstleistungsunternehmen beteiligen, die medizinische Güter oder Services für Ärzte oder Krankenhäuser anbieten. Dazu gehören auch Entwicklung, Verkauf und Support von Software beispielsweise für Diagnostikgeräte.

Daneben ist MK-Kliniken noch im Geschäft mit betreutem Wohnen aktiv und will es dem Aufsichtsratschef zufolge auch bleiben. 1400 seniorengerechte Wohnungen mit dazugehörigem Pflegeangebot betreibt die Hamburger Firma in Gera, Halle/Saale, Cottbus und Potsdam. Die meisten der Wohnungen sind gemietet. Langfristig will MK einen Großteil der eigenen Immobilien abstoßen und sich aus dem Geschäft zurückziehen.