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Mittwochsporträt:Dieser Mann will Opel umkrempeln

PSA Peugeot Citroen Chief Executive Officer Carlos Tavares Attends 'Push to Pass' Growth Plan News Conference

Die Botschaft von Carlos Tavares an die besorgten Opelaner ist zugleich sein Lebensmotto: "Das Einzige, was schützt, ist Leistung."

(Foto: Marlene Awaad/Bloomberg)

Erst hat PSA-Chef Carlos Tavares Peugeot und Citroën saniert. Nun soll er Opel umbauen. Seine radikalen Mittel könnten für den Autokonzern die Rettung sein.

Wer wissen will, wer Carlos Tavares, der künftige Oberchef von Opel, ist, muss die Geschichte kennen, wie dieser Mann an die Spitze des Pariser Autoherstellers PSA Peugeot Citroën gelangte. An seinem 55. Geburtstag, dem 14. August 2013, gibt Tavares ein denkwürdiges Interview. "Es gibt den Moment, da haben Sie Energie und Appetit, die Nummer eins zu werden", sagt er einer US-Nachrichtenagentur. Zu diesem Zeitpunkt ist Tavares die Nummer zwei bei Renault, wo er spöttisch "der kleine Carlos" genannt wird. Der "große Carlos" ist Carlos Ghosn, der Renault-Boss. Zwei Carlos, die beide Chef sein wollen - das ist einer zu viel. Ghosns Reaktion folgt prompt: Er wirft den Vize hinaus. Großmütig erlegt er ihm aber nicht die Wartezeit auf, die Manager sonst wahren müssen, ehe sie zur Konkurrenz gehen.

Bei Renaults Pariser Erzrivalen PSA Peugeot Citroën hat man die öffentliche Bewerbung von Tavares genau registriert. PSA steht kurz vor der Pleite. Da kann der notleidende Hersteller einen, der unbedingt Erster sein will, der dem Erfolg alles unterordnet, sehr gut gebrauchen. Ende 2013 heuert Tavares als PSA-Chef an. Heute hat er PSA nicht nur saniert. Er kauft auch Opel und macht seinen Autokonzern so zum größten in Europa nach Volkswagen. Und er überholt damit Renault. Der große Carlos, das ist jetzt er.

Autos und Wettbewerb - das ist sein Leben. Beides verbindet Tavares als Lenker eines Autoherstellers und in seinem Hobby als Amateur-Rennfahrer. Immer will er noch ein bisschen besser werden. Diese Einstellung erwartet er auch von seinen Mitarbeitern - von der Vorstandsassistentin bis zum Bandarbeiter. "Anspruch ist eine Form von Respekt" sagt Tavares. Und den Beschäftigten von Opel werde er "helfen, das richtige Leistungsniveau zu erreichen", erklärt er bei der Verkündigung der Übernahme diese Woche in Paris. "Übrigens", schiebt er nach, "hier geht es um Wettbewerb." Nur, damit das auch richtig klar ankommt bei Opel in Deutschland.

Historie des Autoherstellers

Als Opel noch spitze war

Tavares gehört nicht zu jener Managersorte, die herumdruckst, wenn es heikel wird. Der Portugiese steht zu seinem Konkurrenzdenken und zu dem, was er sagt. Was er nicht sagt, hat damit umso größere Bedeutung. Etwa, wenn er auf die ständige Frage nach den Jobs bei Opel nicht antwortet, er werde die 2018 auslaufenden Garantien des Noch-Eigentümers General Motors verlängern. Stattdessen verweist Tavares darauf, wie er PSA aufgerichtet hat.

Die spektakuläre Sanierung des französischen Traditionskonzerns soll die Blaupause sein für die des so traditions- wie verlustreichen deutschen Herstellers Opel: 2013 verlor PSA noch 2,3 Milliarden Euro; 2016 verdiente der Konzern 1,7 Milliarden Euro. Wenn Tavares Opel die gleichen Rezepte verordnet, dürfen sich die Beschäftigten auf einen harten Sparkurs gefasst machen, der nicht zwingend Werksschließungen beinhaltet, wohl aber Stellenabbau.

"Überall herrscht Verschwendung", sagt der Peugeot-Chef

Bei PSA profitiert Tavares davon, dass sein Vorgänger den undankbaren Job schon erledigt hatte, eine Fabrik dichtzumachen. Und dass sich der europäische Automarkt, von dem PSA stark abhängt, in den vergangenen Jahren erholt hat. Tavares kann sich auf das konzentrieren, was er am besten kann: optimieren, rationalisieren, effizient machen. Den Vorstoß in neue Felder wie Carsharing und das Digitalgeschäft wagt er dagegen erst allmählich.

"Überall herrscht Verschwendung", sagt der Peugeot-Chef. Also hat er en détail nach Sparmöglichkeiten gesucht - und sie gefunden. In Einkauf, Vertrieb, Verwaltung und natürlich in den Werken. Dort hat er die Logistik gestrafft und den Energieverbrauch gedrückt, hat Montagelinien geschlossen und die Bestände in den Teilelagern verringert. Er hat die Zahl der Fahrzeugmodelle radikal gesenkt und das Forschungsbudget gedeckelt. Preisrabatte auf die Autos von Peugeot, Citroën und DS hat er eingeschränkt. Und ganz unsentimental die traditionsreiche Sparte für Peugeot-Motorroller nach Indien verkauft.