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Ministerpräsident Weil zu VW:"Die Versuchung ist häufig groß, Dinge unter den Tisch zu kehren"

Volkswagen AG Chief Executive Officer Matthias Mueller Holds News Conference After Meeting Automobile Assembly Line Workers At VW Headquarters

Abgas-Skandal bei Volkswagen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

(Foto: Bloomberg)

Niedersachsens Ministerpräsident Weil kritisiert bei Volkswagen eine mangelhafte Unternehmenskultur - und bedauert den Weggang von Martin Winterkorn.

Von Angelika Slavik und Thomas Fromm, Hannover

Wie konnte die Manipulation von mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen bei Volkswagen passieren? Stephan Weil, niedersächsischer Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied, zeichnet im Interview mit der Süddeutschen Zeitung ein düsteres Bild von der Unternehmenskultur bei VW. Man müsse nun "sehr schmerzlich" feststellen, dass die Bereitschaft, auch dann auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, wenn sie nicht den eigenen unmittelbaren Verantwortungsbereich beträfen, bei VW "nicht ausreichend entwickelt ist", sagt Weil, dessen Bundesland mit 20 Prozent an VW beteiligt ist. "Die Versuchung, Dinge unter den Tisch zu kehren, ist häufig groß", sagt er. Das sei offenbar auch ein Problem bei Volkswagen.

Dass Martin Winterkorn wegen der Manipulationen als VW-Vorstand zurücktreten musste, sei richtig gewesen. Auch wenn Winterkorn von den Vorgängen nichts gewusst haben sollte, trage jeder Vorstandschef eine Gesamtverantwortung für die Vorgänge in seinem Unternehmen. Dennoch habe VW unter Winterkorns Führung Großes erreicht, allein in Niedersachsen seien in den vergangenen zehn Jahren etwa 40 000 neue, sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. "Das werde ich nicht vergessen und dafür bin ich dankbar". Weil bedauert deshalb die Umstände von Winterkorns Abgang: "Ich hätte Herrn Winterkorn von Herzen einen anderen Abschied gegönnt".

Wie Ministerpräsident Weil das erste Mal von der Dieselaffäre hörte und wie er heute über den entmachteten Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch denkt, lesen Sie im vollständigen Interview mit SZ Plus.

© SZ/jasch

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