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Millionenverlust bei Atomkraftwerksbetreiber:Atomausstieg drückt EnBW in die roten Zahlen

Keine Kernkraft, kein Gewinn: Weil die Regierung das Energieunternehmen EnBW mit dem Atomausstieg dazu verdonnert, zwei Altmeiler stillzulegen, brechen dem Energieunternehmen die Gewinne weg.

EnBW rutscht durch den Atomausstieg in die roten Zahlen. Der Energiekonzern teilte mit, er werde im Halbjahresabschluss einen Fehlbetrag von rund 590 Millionen Euro ausweisen.

An image taken with a thermographic or infrared camera shows the reactor building of the EnBW nuclear power plant in Philippsburg

Die Stilllegung eines Reaktors des AKW Philippsburg (hier auf einem Wärmebild) kostet EnBW Millionen.

(Foto: REUTERS)

Ein Grund für die Verluste seien Wertberichtigungen der EnBW-Anteile an Unternehmen. Vor allem aber hätten sich "die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen wesentlich verändert", heißt es. Im Klartext: Der staatlich verfügte Atomausstieg kostet Deutschlands drittgrößten Stromkonzern Geld.

Zu EnBW gehören die Atommeiler Neckarwestheim 1 und 2 sowie Philippsburg 1 und 2. Besonders das Abschalten der Altreaktoren Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 habe EnBW erheblich belastet, erklärte das Unternehmen.

Denn wegen des früheren Rückbaus der Atomkraftwerke sei es nötig geworden, hohe, neue Kernenergierückstellungen zu bilden. Diese Rückstellungen werden von den Kraftwerksbetreibern für den Fall eines AKW-Abrisses bereitgehalten. Hinzu kommen laut EnBW Abschreibungen auf die im Reaktor befindlichen Brennelemente. Wegen dieser immensen Belastungen werde EnBW voraussichtlich vor Zinsen und Steuern einen Verlust von 590 Millionen Euro machen. Im Vorjahr hatte der Konzern im gleichen Zeitraum noch einen Gewinn von 899 Millionen Euro erzielt.

An einer Zukunftsstrategie feilt EnBW bereits. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass EnBW mit dem russischen Gaskonzern Novatek im Gespräch sei. EnBW habe Novatek eine Beteiligung am ostdeutschen Gasimporteur Verbundnetz Gas (VNG) angeboten. Dem Handelsblatt zufolge handelt es sich um ein Paket von bis zu 25 Prozent. Ein EnBW-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Er verwies auf Aussagen von Vorstandschef Hans-Peter Villis, wonach dieser bis Ende des Jahres die Gasstrategie überprüfen will. Novatek und VNG wollten sich nicht äußern.