In Deutschland gibt es immer mehr Millionäre. Im Jahr 2025 waren es rund 1,8 Millionen Menschen, die über ein Mindestvermögen von einer Million Dollar verfügten. Das sind rund 180 000 Menschen mehr als im Jahr davor, so das Ergebnis des World Wealth Report 2026 des Capgemini-Research-Institutes. Das Gesamtvermögen der Deutschland-Millionäre stieg zwischen 2024 und 2025 von 6,3 Billionen Dollar auf 7,1 Billionen Dollar, das entspricht einem Zuwachs von 12,7 Prozent. Im internationalen Vergleich leben nur in den USA und Japan mehr Millionäre als in Deutschland.
Vermögen weltweit immer konzentrierter
Weltweit ist das Vermögen der Millionäre um 8,7 Prozent auf den Rekordwert von 98,3 Billionen US-Dollar gestiegen. Das war der stärkste Anstieg innerhalb eines Jahres seit 2018, so die Beratungsfirma. Eine gute Entwicklung an den Aktienmärkten und die nachlassende Inflation hätten das satte Plus für die sogenannten High Net Worth Individuals (HNWI), wie Capgemini die Millionäre nennt, möglich gemacht. Bemerkenswert ist die globale Vermögenskonzentration. Die rund 250 000 sogenannten Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI), also die Superreichen, besitzen rund 35 Prozent der 98,3 Billionen Dollar. Der Rest verteilt sich auf die übrigen 25,3 Millionen Millionäre.
Die HNWI sind bei Capgemini als Personen mit einem investierbaren Vermögen von einer Million Dollar oder mehr definiert, die UHNWI müssen mindestens 30 Millionen Dollar besitzen. Für die Auswertung berücksichtigt Capgemini den Besitz von Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, alternativen Investments wie privatem Beteiligungskapital, Bargeld sowie Immobilien, sofern diese nicht selbst genutzt werden. Sammlerstücke sowie Verbrauchs- und Gebrauchsgüter werden nicht einbezogen. Die Auswertung deckt 71 Länder ab, auf die mehr als 98 Prozent des globalen Bruttonationaleinkommens und 99 Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung entfallen. Die Forscher stützen sich auf öffentliche Datenbanken, etwa beim Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und den Statistikbehörden.
Neben Capgemini veröffentlichen auch andere Investmentfirmen und Beratungsgesellschaften wie UBS, Allianz und Boston Consulting Berichte zur globalen Vermögensverteilung. Methodisch mag es da Unterschiede geben, doch der Trend ist stets der gleiche: Wer viel besitzt, kann sich die besten Anlageprofis leisten und höhere Renditen erwirtschaften als Normalverdiener – und wird somit fast von allein noch reicher. Was Normalanleger von den Reichen lernen können? „Nach Krisenjahren trotz Rückschlägen immer wieder investieren, das kann man als Tipp mitnehmen“, sagte Carina Leidig, Leiterin Wealth & Asset Management, Capgemini Invent Deutschland. Doch es bleibt dabei, die erste Million zu verdienen, ist die schwerste. Daher sind die allermeisten Menschen weit davon entfernt, sehr reich zu werden.
Viel Geld bringt viel politische Macht
Seit 2020 ist das Vermögen der Milliardäre weltweit insgesamt um 81 Prozent gestiegen, die Zahl der Milliardäre habe 2025 erstmals die Marke von 3000 überschritten, so die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam International in ihrer aktuellen Studie zur Entwicklung der Ungleichheit. Das Gesamtvermögen von Milliardären habe 2025 einen Rekordwert von 18,3 Billionen Dollar erreicht, der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr betrug 16 Prozent. Den größten Teil ihres Reichtums hätten viele Personen nicht selbst erwirtschaftet, es stamme vielmehr aus Erbschaften, Vetternwirtschaft oder Monopolmacht. Oxfam verweist auf den vermögendsten Mann der Welt: Der Tesla-Gründer Elon Musk sitzt auf einem Vermögen von über 500 Milliarden Dollar.

Extremer Reichtum ist wie ein schwarzes Loch, das große politische Macht ansaugt. Musk schaffte es unter US-Präsident Donald Trump bis ins Weiße Haus. Die Finanzierung der Brexit-Kampagne in Großbritannien kam aus wohlhabenden nationalkonservativen Kreisen. Reiche können ihnen genehme wissenschaftliche Studien in Auftrag geben, Kampagnen in sozialen Medien finanzieren und mit diesem Lobbyismus gesellschaftlich wichtige Gesetze verhindern. Bürger mit kleinerem Geldbeutel haben politisch deutlich weniger Einflussmöglichkeiten. Der Soziologe Ulrich Beck bezeichnete die wachsende soziale Ungleichheit als „Brasilianisierung“ Europas. Diese führe ihrerseits zu politischer Ungleichheit, was die Stabilität der Demokratie gefährde.
In Deutschland ist die Vermögenskluft deutlich messbar. Ein Zehntel der etwa 41 Millionen Haushalte besitzen 56 Prozent des gesamten Nettovermögens im Land. Die 20,5 Millionen Haushalte am unteren Ende der Reichtumsverteilung kommen hingegen laut Bundesbank nur auf drei Prozent. Zwar sind die Renten- und Pensionsansprüche der Haushalte in dieser Studie nicht berücksichtigt, daher geht es einigen Menschen besser, als es die Statistik nahelegt. Dennoch wächst der gesellschaftliche Druck, die Superreichen etwa mit einer Vermögensteuer zu belasten.

