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Milliardenverlust der Deutschen Bank:Schock aus Frankfurt

Deutsche Bank

Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Fitschen und Jain: Nach den Skandalen kämpft das Geldinstitut jetzt mit einem Milliardenverlust.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank meldet überraschend einen Milliardenverlust, der Aktienkurs bricht massiv ein. Dass nun zum Libor-Skandal oder Kirch-Prozess auch noch schlechte Zahlen kommen, dürfte den Co-Chefs Fitschen und Jain schwer zu schaffen machen.

Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, ist einer, der hart zu sich selbst ist. Einer, der jeden Tag das Beste aus sich herausholen will. Bisher hat ihm dieser Ehrgeiz stets Erfolg gebracht. Über Jahre hinweg war er der "Regenmacher" der Bank, derjenige, der Jahr für Jahr mit dem von ihm verantworteten Investmentbanking mehr als die Hälfte der Gewinne der gesamten Bank eingespielt hat.

Doch nun kehrt sich der einstige Erfolg gegen ihn: Die Deutsche Bank gab für das vierte Quartal einen Milliardenverlust bekannt - vor allem wegen des Investmentbankings. Nicht nur das aktuelle Geschäft mit Fusionen, Börsengängen und anderen Platzierungsgeschäften läuft schlecht, sondern es drücken noch Altlasten auf das Ergebnis. Das Gros der Verluste im Schlussquartal verursachte die interne Bad Bank, in der vor allem toxische Wertpapiere der Investmentbank lagern. Hinzu kommen höhere Kosten für Rechtsstreits.

Im Gesamtjahr 2013 erwirtschaftete die Bank zwar unter dem Strich rund eine Milliarde Euro, das ist jedoch nur halb so viel, wie von den Experten erwartet. Das war auch der Grund, warum die Bank die Ergebnisse eineinhalb Wochen früher vorlegte: So verlangen es die Börsenregeln.

Für die Deutsche Bank reißt damit die Kette an schlechten Nachrichten nicht ab. Seit die beiden Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Sommer 2012 das Amt von Josef Ackermann übernommen haben, taucht ein Skandal nach dem anderen auf. Die beiden haben versprochen, diesen Altlasten mit einem Kulturwandel zu begegnen. Dass nun zu den Reputationsthemen auch noch Probleme mit dem laufenden Geschäft kommen, dürfte den beiden schwer zu schaffen machen.

Aktienkurs bricht ein

Denn so bitter die öffentlichkeitswirksamen Skandale auch waren, bislang haben die Großaktionäre daran geglaubt, dass Anshu Jain und Jürgen Fitschen zumindest gute Zahlen liefern. Und sie und der Aufsichtsrat sind es, die entscheiden, wer Vorstandschef der Deutschen Bank ist - nicht die Medien oder die Politik. Die Aktionäre jedenfalls zeigten sich mit dem Management unzufrieden: Nach Bekanntgabe der Zahlen brach der Aktienkurs des Unternehmens ein und zog den gesamten deutschen Leitindex Dax mit nach unten.

Analysten konnten dem Ergebnis der Bank jedoch auch etwas Gutes abgewinnen: Sie wiesen darauf hin, dass die Bank sehr schnell und sehr aggressiv Risiken abbaut - das ist auch der Grund für einen Teil der Verluste. Am deutlichsten zeigt sich das bei der internen Bad Bank: Diese Einheit hat im Jahr 2013 über drei Milliarden Euro Verluste gemacht, sie ist aber auch seit Juni 2012 um die Hälfte geschrumpft und umfasst derzeit nur mehr eine Bilanzsumme von gut 50 Milliarden Euro.

In der Gesamtbank ist die Bilanzsumme um 14 Prozent auf 1,5 Billionen Euro geschrumpft, die Bilanzrisiken, auf die besonders die Bankenaufsicht schaut, wurden um 11 Prozent abgebaut. Und auch der Mix der Einnahmen ist ausgeglichener: Hat die Investmentbank noch im Jahr 2004 über 60 Prozent zu den Gewinnen beigetragen, waren es im Jahr 2013 nur mehr 51 Prozent. Dafür haben die Vermögensverwaltung, das Privatkundengeschäft und der Zahlungsverkehr anteilsmäßig aufgeholt.