Milliarden-Geldstrom in Krisenstaaten Warum die Zentralbanken so massiv eingreifen

Das viele Geld haben die Zentralbanken in die Welt gebracht. Die EZB, die amerikanische Fed und die japanische Notenbank halten die Zinsen extrem niedrig. Zudem hat die EZB Ende 2011 und Anfang 2012 insgesamt eine Billion Euro zu Billigzinsen an die Banken verliehen.

Das Geld landet etwa in Immobilien in Deutschland oder in Unternehmensanleihen. Beide Märkte stehen mittlerweile unter dem Verdacht, dass sich dort Spekulationsblasen bilden. Das Handelsblatt hat mittelständische Unternehmensanleihen analysiert und festgestellt: Viele der Unternehmen sind teils drastisch verschuldet und würden mehr als zehn Jahre brauchen, ihre Schulden abzuzahlen. Um den Immobilienmarkt in Deutschland sorgt sich mittlerweile auch die Bundesbank.

Die Peripherie stabilisiert sich ein bisschen, doch von einer generellen Angleichung innerhalb der Euro-Zone kann keine Rede sein. Nord und Süd sind zu weit auseinandergedriftet. Analysten warnen davor, dass sich Deutschland vom Rest "schrittweise abkopple". Selbst in anderen gesunden Staaten im Zentrum sinkt das Verbrauchervertrauen, zum Beispiel in Belgien und Frankreich. Nur Ausnahmen wie die Niederlande könnten mit der deutschen Entwicklung noch einigermaßen mithalten.

Die Kapitalflüsse in die Krisenstaaten reichen noch lange nicht aus, um sie zu sanieren. Die Arbeitslosigkeit ist dort weiter auf Rekordniveau. Damit fallen viele Steuern aus, die Haushaltslöcher in der Staatskasse bleiben. Zuletzt stiegen folglich die Schuldenstände von Portugal, Irland, Spanien und Griechenland weiter an (PDF).

Zudem ist unklar, wie Europa mit dem nächsten Staat in Schieflage umgehen wird: Zyperns Schuldenstand ist der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge binnen eines Jahres um mehr als 17 Prozentpunkte gestiegen, fast sechsmal so schnell wie der Durchschnitt der Euro-Zone.

Müssen Preise in Deutschland deutlich steigen?

Ökonom Sinn mahnt, dass für eine langfristige Lösung der Krise die Verzerrungen zwischen den Volkswirtschaften wieder aufgehoben werden müssten: "Spanien, Griechenland und Portugal müssen längerfristig im Vergleich zum Durchschnitt der Euro-Zone um etwa 30 Prozent billiger werden, um wieder wettbewerbsfähig zu werden." Zugleich müssten die Preise in Deutschland um 20 Prozent steigen.

Ist die Krise vorbei, wenn es den Unternehmen gutgeht? Was ist mit den Bürgern? Viele leiden in den Krisenstaaten noch immer: Die Länder haben sich gegenüber ihren Kreditgebern EU und Weltwährungsfonds zu massiven Einsparungen verpflichtet. Der Kahlschlag kostet Jobs, nicht nur im öffentlichen Sektor. Viele Menschen verarmen. In Spanien und Griechenland ist jeder Vierte ohne Job (PDF). Selbst in Frankreich ist die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen und liegt über der Drei-Millionen-Marke.

In Griechenland verschärft sich das Problem der Obdachlosgkeit. Wie viele es sind, wissen selbst Behörden und Hilfsdienste nicht. Sie wissen nur, dass es immer mehr werden.