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Milliarden für den Währungsfonds:Geld gegen Macht

Bei den 430 Milliarden Dollar handelt es sich allerdings ausdrücklich nicht um einen zusätzlichen Rettungsschirm für den Euro, das Geld soll allen Mitgliedern zustehen. Die Bedingung ist auch aus Sicht der Bundesbank wichtig, wie ihr Präsident Weidmann betonte. Wären die Kredite für bestimmte Euro-Staaten reserviert, käme die Aktion einer verbotenen Finanzierung dieser Staaten durch die Notenpresse gleich. Das Geld soll erst bei Bedarf fließen und nach den strengen Konditionen des IWF vergeben werden.

Die Mittelaufstockung beim IWF ist eng mit der Frage verknüpft, ob und wie schnell die Europäer bereit sind, auf Macht und Einfluss beim Fonds zu verzichten. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega kritisierte, die Industrieländer unterstützten die Reform des IWF immer nur mit Worten. "Das ritualisierte Wiederholen solcher Art von Erklärungen reicht nicht annähernd aus." Die Bereitschaft von China, Indien und Brasilien, Mittel bereitzustellen, hängt nach Meinung von Beobachtern vom Tempo der Veränderungen ab.

Tatsächlich ist eine Reform, die den Einfluss der Schwellen- und Entwicklungsländer erhöht, längst beschlossen, wurde aber von den meisten Industriestaaten, darunter den USA ebenso wie den EU-Mitgliedern, noch nicht ratifiziert. Bundesfinanzminister Schäuble versprach, dass Europa dies bis zur Jahrestagung von IWF und Weltbank im Oktober nachgeholt haben werde. "Wir liefern, was wir versprochen haben", sagte der Minister.

Im Zuge der Reform wird Europa Kapitalanteile ("Quoten") und zwei Exekutivdirektoren im Verwaltungsrat des Fonds verlieren. Nach der geltenden Quotenaufteilung hat Belgien mit einem Anteil von 1,93 Prozent ein größeres Gewicht als Brasilien (1,79). Durch die Reform wird sich aber an der Vorrangstellung der Vereinigten Staaten (derzeit 17,69 Prozent) nichts ändern. Deutschland wird zwar Rang drei unter den 188 IWF-Staaten zugunsten Chinas aufgeben müssen, kann seinen Exekutivdirektor aber behalten. Bis Januar 2014 werden die Gewichte im Fonds dann erneut justiert. Dabei solle der Anteil der Schwellen- und Entwicklungsländer noch weiter steigen, hieß es in der Abschlusserklärung des Währungsausschusses.