Die Halbe in Bayern, das Kölsch in Köln, die Tafel Schokolade in ganz Deutschland. Ohne dass die Größe genannt wird, haben doch viele die gleiche Menge im Kopf: ein halber Liter, 200 Milliliter und 100 Gramm. Doch bei der Milka-Schokolade gibt es ein Problem. Denn der US-Lebensmittelkonzern Mondelez, zu dem Milka gehört, hat vor einiger Zeit die Größe geändert: Aus 100 wurden 90 Gramm. Und, was vielleicht noch mehr Menschen aufregt: aus 1,49 wurden 1,99 Euro. Zehn Gramm weniger, aber 50 Cent teurer. Wie kommt das? „Steigende Kakaopreise“, sagt das Unternehmen. Aber ist das nachvollziehbar? Die Verbraucherzentrale Hamburg sagt: nein – und ist gegen die Mondelez Deutschland GmbH vor Gericht gezogen.
Die Preiserhöhung bei der Sorte „Alpenmilch“ um mehr als 48 Prozent sei für Kunden nicht erkennbar gewesen, sagen die Verbraucherschützer. Ihre Argumentation: Die Verpackung der Schokolade war nach der Änderung genauso groß wie vorher – gleiche Länge, gleiche Breite. Wie kam es dazu, dass zehn Gramm fehlen? Milka sparte an der Dicke und machte die Schokolade exakt einen Millimeter dünner. Deswegen ernannte die Verbraucherzentrale bereits im Februar vergangenen Jahres die Schokoladentafel zur Mogelpackung des Monats. Unauffällig die Preise erhöhen, das hat für Milka nicht geklappt.
Anfang dieses Jahres ging die Geschichte weiter: Fast 35 000 Menschen wählten in der Umfrage der Hamburger Verbraucherzentrale Milka zur Mogelpackung des Jahres 2025. Für Mondelez nicht das erste Mal. Bereits 2023 wurden die Brotchips der Marke Tuc zur Mogelpackung des Jahres. Das Phänomen ist nicht neu und heißt Shrinkflation: ein aus dem englischen Wort für Schrumpfen und Inflation zusammengesetztes Wort. Die Produkte werden kleiner, der Preis bleibt aber gleich. Milka geht sogar noch weiter und erhöht den Preis.
Eine teure Versuchung – und das Gericht nennt es Irreführung
„Es geht nicht um Peanuts, sondern es geht da wirklich an die Substanz“, sagt Verbraucherschützer Armin Valet. Was das bedeutet, zeigt der Blick auf die von den Experten untersuchten Mogelpackungen. Deren Preise sind im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 28 Prozent gestiegen, die Inflationsrate lag aber zuletzt nur bei knapp drei Prozent.
Mit einem Aufschlag von fast 50 Prozent steht Milka mit Abstand an der Spitze. Die Marke lebt von Wiedererkennung: Ein Blick ins Regal, die lila Verpackung entdeckt und rein in den Einkaufskorb. „Da kann man nicht vom Verbraucher verlangen, dass er jede Veränderung erkennt“, sagt Valet. Das Gericht sah das genauso. Die Milka-Schokolade sei eine „relative Mogelpackung“, sagte der Richter am Mittwoch. Eine „absolute Mogelpackung“ ist ein kleines Produkt in einer übergroßen Hülle. Mondelez dagegen ließ die Packung gleich, reduzierte aber den Inhalt.
Zwar steht das neue Gewicht, 90 Gramm, drauf, ein klarer Hinweis auf die Reduzierung fehlte aber. Er hätte laut Gericht deutlich, verständlich und wahrnehmbar sein müssen. Hersteller müssen jetzt, wenn sie die Füllmenge reduzieren wollen, mindestens vier Monate lang darauf hinweisen. Für Schokoladenliebhaber heißt das weniger Überraschung im Regal.
Trotzdem darf auch künftig 90 drin sein, wo alle 100 gewohnt waren. Gilt Ähnliches auch für Texte? Also, liebe Leserinnen und Leser, wären Sie mit 90 statt für diesen Text vorgesehener 100 Zeilen zufrieden? Seien Sie froh: Den Preis für die Zeitung erhöhen wir nicht.
