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Milchpreis-Verfall:Die eigene Region lässt sich besser einschätzen als der Weltmarkt

Hans Kniegl verdient heute mehr Geld mit Eis als mit Milch.

(Foto: Pia Ratzesberger)

War die Kuhherde für den Urgroßvater von Hans Kniegl noch die Garantie, von seiner Arbeit leben zu können, verbringen Milchbauern heute viel Zeit außerhalb des Stalls: Sie führen Schulklassen über ihre Höfe, sie beherbergen Touristen in ihren Häusern, sie arbeiten als Straßenkehrer oder Erntehelfer - oder sie produzieren Eis, wie am Beindlhof. Hinter den bäuerlichen Eismanufakturen steht oft eine Firma aus den Niederlanden, Ice Delite. 80 Mitarbeiter, Sitz in Hooge Mierde an der belgischen Grenze, hier hatte man schon vor mehr als fünfzehn Jahren die Idee, dass Bauern mit relativ wenig Aufwand zu Eismachern werden könnten. Mittlerweile verkauft Ice Delite an Höfe in 21 Ländern Europas Maschinen sowie Rezepturen und Zutaten. Umsatzzahlen will eine Sprecherin nicht nennen. Das Konzept aber ist überall das gleiche: Das Wichtigste, was man zum Eismachen braucht, haben die Milchbauern sowieso auf ihrem Hof. Frische Sahne. Früchte oder Kräuter besitzen sie meist aus eigenem Anbau, andere Zutaten wie Zucker und Verpackungen können die Bauern bei dem Unternehmen zukaufen.

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Hinter den bäuerlichen Eismanufakturen steht oft eine niederländische Firma

Schaut man an die Wand der Eisküche der Kniegls, könnte man meinen, die beiden führten einen Großbetrieb. Mehr als 60 Rollen verschiedener Aufkleber hängen dort, mehr als 60 Eissorten, Frischkäseeis, Biereis, Sesameis. Die Milch hat Hans Kniegl heute morgen schon zu Sahne verarbeitet, gleich nach dem Melken, noch warm vom Euter. Jetzt legt der 34-Jährige den Hebel der silbernen Portioniermaschine langsam nach unten, aus der Öffnung drückt in einem dicken Strang die dunkle Creme in den Becher. Voll bis zum Rand. Monika Kniegl wiegt die Dose prüfend in der Hand, schwerer muss sie sein als die Packungen aus dem Supermarkt. Ihre fünf Liter Eis bringen ungefähr 3,75 Kilogramm auf die Waage - das ist ein Kilo mehr als ein Eisbecher der Industrie. "Die schäumen ihr Eis oft auf und füllen gar nicht bis zum Rand", sagt Kniegl und schichtet die fertig verpackten Dosen auf ihren Arm.

Vor dem Häuschen am Rande des Hofes reiht sie die Becher in die blaue Eistruhe - ohne die wären die Kniegls wohl nie so erfolgreich geworden, wie sie es jetzt sind. Als vor zehn Jahren, im Frühjahr, Wanderer hier Pause machten, kauften sie die ersten Becher Eis, fragten irgendwann auch in den umliegenden Gaststätten nach der Creme vom Beindlhof. Dann klingelte bei Monika Kniegl das Telefon, sie musste nicht mehr um Kunden werben. Die Kunden warben um sie. Gerade ist eine Fahrerin mit fast 400 Portionen Eis unterwegs, mittlerweile beliefert der Beindlhof mehr als 30 Geschäfte und Gasthäuser in der Umgebung, zum Beispiel am Kochelsee oder am Schliersee, wo sich am Wochenende die Münchner erholen. 100 Milliliter Eis kosten zwischen 1,80 und 2,50 Euro; 500 Milliliter zwischen 4,80 und sechs Euro. Bauern, die mit Ice Delite zusammenarbeiten, vertreiben ihr Eis stets lokal. Die eigene Region kann man eben besser einschätzen als den Weltmarkt.

Sechs Stunden ist es her, dass Hans Kniegl in der Melkkammer stand, jetzt erlischt die Temperaturanzeige der Eismaschine. Alle Becher sind in der Truhe verstaut. Bald bringt die Fahrerin die nächsten Packungen zu den Kunden, Schokolade und Vanille, Frischkäse und Joghurt. Hans Kniegl und seine Frau aber werden dann schon wieder auf dem Hof unterwegs sein: Die Eisküche muss geputzt, die Ferienwohnung hergerichtet, die Kühe ein zweites Mal gemolken werden. Nur Eismacher sein? Kniegl schüttelt den Kopf, für wen lohnt sich das schon? Die rote Stoffhaube aber, die behält er noch ein wenig an.

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