bedeckt München
vgwortpixel

Milchersatzprodukte:Woher kommen die hohen Preise?

Klar, Mandeln sind kein billiger Rohstoff: Gut 14 Euro bezahlen die Getränkehersteller im Nusshandel derzeit für ein Kilogramm. Aber das ist kein Grund für die hohen Preise. Denn wo Mandel draufsteht, ist nicht immer auch viel Mandel drin. Der Anteil beim Hersteller Alnatura beträgt sieben Prozent, beim Marktführer Alpro sind es sogar gerade einmal zwei Prozent. Das entspricht einer Handvoll Mandeln im Wert von gerade einmal 30 Cent.

Die Unternehmen führen als Grund für den Preis die aufwendige Gewinnung des Mandelextraktes an. Einem Alpro-Sprecher zufolge ist es unumgänglich, die Mandeln erst aufwendig zu rösten, bevor der Drink daraus entsteht. Experten bezweifeln das, können ihre Zweifel jedoch nicht belegen. Alpro und Alnatura möchten ihre Hallen nicht für Journalisten öffnen. Sicher ist aber, dass ihre Rechnung aufgeht. Alnatura verzeichnet nach eigenen Angaben ein Absatzwachstum von jährlich 20 Prozent allein mit Milchersatzprodukten. Bei Alpro schweigt man über konkrete Zahlen, deutet aber an, dass sich das Wachstum in einem ähnlichen Bereich bewegt und man "mit dem Umsatz durchaus zufrieden" sei.

Längst nicht alle profitieren

Das können nicht alle behaupten, die an dem Geschäft beteiligt sind. Enrique Costa Halcón ist "einer von der anderen Seite", wie er sagt. Vor sechs Jahren kaufte der Spanier, der sich als "Stimme der andalusischen Mandelbauern" versteht, 130 Hektar Land nahe Málaga. Spanien befand sich mitten in der Wirtschaftskrise, aber das Geschäft mit Mandeln war vielversprechend und zudem subventioniert. Auch die Mandeln der Alpro-Drinks stammen aus Südeuropa. "Die ersten zwei, drei Jahre liefen gut, und es blieb genug Geld übrig, um Maschinen abzubezahlen - aber dann wurde alles anders", erinnert sich Costa Halcón.

Noch vor fünf Jahren lag der Erzeugerpreis für ein Kilo Mandeln bei sechs bis sieben Euro. Nun gehen die Mandelbauern davon aus, dass es im dritten Jahr in Folge unter drei Euro sein werden, weniger als die Hälfte als noch vor fünf Jahren. Der Grund ist die Konkurrenz aus den USA: In Kalifornien werden jährlich mehr Mandeln produziert als in Spanien und Italien zusammen, insgesamt um die 300 000 Tonnen. Und anders als in Spanien sind die Mengen, mit denen die Bauern ihre Felder bewässern dürfen, kaum reguliert.

Die USA drücken die Preise und die Hersteller gehen mit

Die USA drücken also die Preise, und die großen europäischen Unternehmen gehen mit. "Wir Bauern verstehen das nicht. Bei Obst legt man so viel Wert darauf, dass die Produkte aus Europa kommen. Und bei Nüssen kaufen die Hersteller in Übersee, wenn wir uns nicht auf ihr Preisdiktat einlassen", sagt Costa Halcón. Trotz der Subventionen deckten die Erlöse nicht einmal die Kosten vieler Mandelbauern für die Ernte und das Säubern der Mandeln.

Offenbar profitieren demnach nicht alle Seiten von dieser Milch, die eigentlich gar keine ist. Der Gesundheit der Verbraucher ist sie nur bedingt förderlich, ihren Geldbörsen kein bisschen, und viele Mandelbauern können von dem Geschäft kaum noch leben. Allein die Hersteller dürften sich die Hände reiben - denn was gibt es für sie Besseres, als ein stark nachgefragtes Produkt bei vermeintlich günstiger Herstellung zu gesalzenen Preisen verkaufen zu können.

Wie der Milchmarkt Kühe krank macht
Landwirtschaft

Wie der Milchmarkt Kühe krank macht

Hochleistungskühe geben so viel Milch, dass es ihnen schadet. Milch wird damit immer billiger - und der Druck auf die Bauern noch größer.   Von Tanja Busse