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Mietwagen:Die Verfolger

Was sich die Konkurrenten so alles gegen den Marktführer Sixt einfallen lassen. Europcar kauft zu, Enterprise und Hertz streben nach Deutschland.

Viele wollen sein wie Erich Sixt, der Mietwagenkönig von Deutschland. Sein Mobilitätskonzern Sixt SE hält in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent vor Europcar mit 27 Prozent. Das sind die von Sixt veröffentlichten Zahlen für 2015, jeweils gemessen am Umsatz.

Europcar hat nun durch die Übernahme der Buchbinder-Gruppe Ende Mai den Abstand zu Sixt verringert. Caroline Parot, die Vorstandschefin von Europcar kündigte an: "Die Akquisition von Buchbinder ist ein wichtiger strategischer Schritt für die Europcar-Gruppe, da sie es uns ermöglichen wird, zur Nummer eins in Deutschland und Österreich zu werden." Eine touristische Fachzeitschrift interpretierte dies vorschnell als bereits erfolgtes Überholen des Marktführers Sixt. Doch das ist Zukunftsmusik, denn: Selbst bei Einrechnen des vollen Buchbinder Umsatzes im In- und Ausland bleibt Sixt weiter vorn. Ohne den Umsatz von Buchbinder im Ausland ist der Abstand zwischen Sixt und Europcar in Deutschland umso deutlicher.

Bei einer Gesamtbetrachtung des europäischen Marktes ist es umgekehrt, Europcar liegt vorn, vor Sixt. Europcar verstärkte sich gerade mit Goldcar, einem Niedrigpreis-Vermieter in Spanien und Portugal. Aber: Caroline Parot strebt nach der Marktführerschaft von Europcar in Europa nun explizit auch nach der in Deutschland.

Hierzulande stärker einsteigen will Enterprise, die Nummer eins weltweit und etwa zehn Mal so groß wie Sixt. Zu Enterprise gehören die Marken Alamo und National. Das amerikanische Unternehmen ist zwar seit 1997 in Deutschland mit 160 Stationen aktiv, macht aber immer noch Verluste. Sie sollen sich bis heute auf etwa 200 Millionen Euro summiert haben. Branchenkenner sehen den Expansionskurs von Enterprise als Angriff auf Sixt mit seinen bereits über 60 Stationen in den USA.

Schließlich startet Hertz ein Pilotprojekt mit der Deutschen Post, bei dem Mietautos an zunächst 13 Postfilialen in Hessen und Rheinland Pfalz abgeholt und zurückgegeben werden können. Ein Vorteil für Sixt ist es, dass es bei praktisch allen bedeutenden Wettbewerbern in den vergangenen Jahren Eigentümerwechsel gegeben hat, sie also in der Regel den für sie bezahlten Kaufpreis erwirtschaften sollen.

Erich Sixt bleibt bei dieser Gemengelage recht gelassen: "Wir wollen Nummer eins werden in Europa. Das sind wir bereits, was den Gewinn angeht." Er spottet sogar über die Expansionsgelüste der Konkurrenten: "Nach wie vor verwechseln viele Umsatz und Ertrag, besonders auch manche unserer Wettbewerber."