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Mieten:Hostels haben ihre Preise schnell erhöht

Wenn es Abend wird in der Asylbehörde Lageso, können Vermieter und Hostelbetreiber ihre Kundschaft praktisch einsammeln. Dort, wo Hunderte Menschen noch immer wochenlang auf einen Termin warten, sitzen sie auf dem Bürgersteig, wenn es dunkel wird: Familien mit Kindern, Jugendliche, viele Männer, auf Decken und Kartons. Das Vordach der Berliner Staatsanwaltschaft schützt sie vor Regen. "Am Lageso ist abends ein reger Markt", sagt der Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grüne). Hier würden die Asylsuchenden angesprochen, denn ihre Gutscheine sind begehrt: "Unseriöse Hostelbetreiber haben ihre offiziellen Preise längst auf die maximalen Kostenübernahmen des Lageso ausgerichtet." Das Amt überweise mittlerweile nur noch die halbe Miete, sagt eine Sprecherin, und überprüfe die Hostels später.

In der schleswig-holsteinischen Stadt Elmshorn hatte Bürgermeister Volker Hatje bereits Ende 2013 ein ähnliches Problem. Damals habe sich die AJ Immobilien-Management GmbH an das Rathaus gewandt und einen Tagespreis von 23,90 Euro für die Unterbringung von Asylbewerbern verlangt, inklusive Fahrdienst und Betreuung. "Das machen wir nicht", sagte Hatje damals. Doch bald stellte sich heraus: Die Nachbargemeinden hatten sich sehr wohl auf das Angebot der Firma eingelassen. Sie zahlten den Preis vor allem deshalb, weil die Firma ihnen angeboten hatte, auch ihre Asylbewerber in Elmshorn unterzubringen - und nicht im eigenen Ort. "Die konnten sich hinstellen und sagen: Bei uns ist die Welt noch in Ordnung", sagt Hatje: "Wir haben keine Ausländer." Erst mit einem "Fairness-Abkommen" bekam er die Lage in den Griff.

Kaum Chancen auf eine reguläre Wohnung

Das Geschäft mit den Flüchtlingen lohnt sich nicht nur dort, wo Wohnraum ohnehin knapp ist. Es ist auch deshalb so attraktiv, weil die Menschen kaum eine Chance haben, reguläre Wohnungen zu finden. Ghias Alhariri bekommt das jeden Tag zu spüren. Seit drei Monaten schreibt er Besichtigungstermine in ein kariertes Notizbuch. Seine Frau ist im sechsten Monat schwanger. In der Ferienwohnung passt neben das Doppelbett keine Wiege.

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Am Freitagnachmittag folgt Alhariri einem Mann mit dunklem Schnurrbart durch einen Hinterhof. "Arabi?", fragt Alhariri. "Wat?", fragt der Mann. Dann versteht er: "Nein." Das Treppenhaus ist düster, die Räume aber groß genug. "Damit das gleich klar ist", sagt der Deutsche: "Die Küche bleibt drin. Hier wird nichts neu gemacht." Alhariris Augen werden groß, er lächelt dem Herrn entgegen. Wenn er die Sprache nicht versteht, probiert er es mit Freundlichkeit. Mit einer Hand berührt er den Herd. "Neu?", wiederholt er. Der Mann zieht die Brauen zusammen: "Nein!"

Eine Stunde später steht Alhariri im vierten Stock eines Hochhauses, siebzig Menschen drängen sich in eine leere Wohnung. Mit einem syrischen Pärchen kommt er ins Gespräch. Der Mann ist Banker, er schüttelt den Kopf: Knapp 2300 Euro zahle der Staat jetzt für ihr Zimmer in Flughafennähe. Der Säugling koste extra, etwa 25 Euro pro Tag. Die beiden seien schon seit einem Jahr auf der Suche. Der Grund? Seine Frau wählt ein deutsches Wort. "Ausländer", sagt sie.

© SZ vom 23.09.2015

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