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Mieten:Ein paar Euro weniger

Olympisches Dorf in München, 2019

Blick auf Wohnblocks und den Olympiaturm in München: In Deutschlands teuerster Großstadt sind die inserierten Mietpreise rückläufig.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Preise für neue Mietverträge könnten wegen der Corona-Krise sinken, aber nur vorübergehend. Denn: "Gewohnt wird immer", sagt ein Experte.

Von Thomas Öchsner

Die Mieten steigen und steigen - das war ein Jahrzehnt lang ein ehernes Gesetz, vor allem in Deutschlands Großstädten. Doch seit gut einem Jahr stagnieren dort die Mieten. Und wer jetzt eine Wohnung etwa in München, Stuttgart oder Berlin sucht, kann mit ein bisschen Glück sogar von der Corona-Krise profitieren: In den nächsten Monaten könnten die Preise für Neuvermietungen sinken.

Neue Zahlen zu den Mietpreisen legte am Donnerstag das Internetportal Immowelt vor. Das Unternehmen verglich dafür in den 14 Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern die Preise für angebotene Bestandswohnungen zwischen 40 und 120 Quadratmetern, die vor 2016 fertiggestellt wurden. Das Ergebnis: In sechs Großstädten, etwa in Berlin, Frankfurt oder Leipzig, sind die Mietpreise für neu inserierte Wohnungen im März im Vergleich zum Januar vor Beginn der Pandemie unverändert geblieben, während sie in Nürnberg, Düsseldorf und Hamburg leicht anzogen.

Nur in München mit einem Minus von vier Prozent und in Köln (drei Prozent weniger) gingen die Quadratmeterpreise für Neuvermietungen leicht zurück. In München lagen die Angebotsmieten damit bei 17,20 Euro pro Quadratmeter. Im Januar waren es 17,90 Euro. Solche Abschläge dürfe man aber nicht überbewerten: "Geringfügige Schwankungen im einstelligen Prozentbereich sind bei Monatsvergleichen üblich und somit nicht auf die Corona-Krise zurückzuführen", heißt es bei dem Immobilienportal. "Wie sich bereits Ende vergangenen Jahres abgezeichnet hat, scheint die Zeit der großen Preissprünge fürs Erste vorbei zu sein", sagt Immowelt-Vorstandschef Cai-Nicolas Ziegler.

Trotzdem wird die Corona-Krise auf den Immobilienmärkten Spuren hinterlassen. Das Berliner Analysehaus Empirica rechnet in den kommenden Monaten mit Abschlägen bei den Kaufpreisen, die bei 10 bis 25 Prozent liegen dürften - unter anderem, weil die Nachfrage von Kapitalanlegern zurückgeht, es zu Notverkäufen kommt und die Neubautätigkeit stockt. Die Mieten könnten ebenfalls nachgeben, "aber erheblich weniger sowie eher nur für kurze Dauer und danach wie schon vor Corona weiter stagnieren", heißt es in einer neuen Analyse von Empirica.

Wie stark die Mieten sinken, hänge vom Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum Beispiel davon ab, wie stark die Einnahmen von Selbständigen und Freiberuflern schrumpfen. Hinzu kämen Mietausfälle wegen Zahlungsunfähigkeit. "Diese dürften sich jedoch in Grenzen halten und vor allem zeitlich befristet sein." Deutschlands Sozialstaat werde mit dem erleichterten Zugang zu Kurzarbeitergeld, Wohngeld und Hartz IV helfen, schneller als andere "einen soliden Weg aus der Krise zu finden", so die Prognose der Experten.

Wächst die Wirtschaft im nächsten Jahr wieder kräftig, rechnet Empirica-Chef Reiner Braun damit, dass sich die Kaufpreise Ende 2021 wieder stabilisieren oder leicht steigen. Auch bei den Neuvertragsmieten könnte es teilweise aufwärts gehen, vor allem, wenn die Zuwanderung wieder zunimmt. "Corona hebt die Immobilienwelt nicht völlig aus den Angeln", sagt Braun. Und: "Gewohnt wird immer!"

Braun kann sich aber gut vorstellen, dass Mieter und Immobilienkäufer im Zeitalter von Corona und Home-Office künftig mehr darauf achten werden, dass sie in einer neuen Bleibe ein Arbeitszimmer einrichten können - wenn man eine entsprechend große Wohnung überhaupt findet und sich leisten kann.

© SZ vom 17.04.2020

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