Dienste unterbrochenCloud-Störung bei Microsoft: Systeme laufen wieder an

Lesezeit: 2 Min.

Der Cloud-Dienst Microsoft 365 war am Montagabend weltweit gestört.
Der Cloud-Dienst Microsoft 365 war am Montagabend weltweit gestört.
Sven Hoppe/dpa

Ein Fehler in der Cloud-Infrastruktur von Microsoft hat weltweit eine Reihe von Diensten des Softwarekonzerns lahmgelegt. Die erholen sich nun – doch nicht alle können bereits alle Funktionen nutzen.

Von Helmut Martin-Jung

SZ bei Google bevorzugen

In Europa war der Arbeitstag schon so gut wie vorbei, an der US-Westküste dagegen ging er am vergangenen Montag gerade erst los. Für viele war der Start in den Tag jedoch ganz anders als sonst. Normalerweise checken die meisten Büromenschen direkt ihre Mails, nachdem sie den Computer eingeschaltet haben. Doch für Microsoft-Kunden funktionierte das auf einmal nicht mehr.

Es half auch nicht, den Computer neu zu starten oder gar die Software neu zu installieren. Denn der Fehler lag nicht bei den Nutzern, sondern dort, wo sie und auch die Systemverwalter ihrer Firmen gar nicht hinkommen – in den Tiefen der Cloud-Infrastruktur des Anbieters Microsoft.

Damit Nutzer etwa Mails verschicken oder empfangen können, müssen sie sich dort anmelden. Das muss nicht jedes Mal erneut eingegeben werden, sondern geschieht automatisiert. Meistens gilt diese Anmeldung dann gleich für mehrere Dienste, im IT-Jargon nennt man das Single Sign-On.

Genau hier lag das Problem. Die Anmeldung funktionierte aus einem bisher noch unbekannten Grund nicht. Demzufolge konnten Nutzer weltweit auch nicht auf Dienste zugreifen, die mit dieser Anmeldung verknüpft waren. Dazu gehörten neben dem Mailprogramm Outlook auch die Cloud-Dienste One Drive und Share Point. Damit können etwa Nutzer zur gleichen Zeit in derselben Datei arbeiten.

Ebenso betroffen waren Geräte, die Videokonferenzen über die Software Teams ermöglichen sowie eine Reihe weiterer, weniger bekannter Microsoft-Dienste, wie Microsoft mitteilt. Auf Plattformen wie Downdetector, bei der Nutzer IT-Probleme melden können, waren die Fehlermeldungen zeitweise auf Zehntausende emporgeschnellt. Techniker des Konzerns leiteten Gegenmaßnahmen ein und spielten in der Nacht Korrekturen auf den betroffenen Servern ein.

Für Microsoft ist der Vorfall ein GAU

Nach dem stundenlangen, großflächigen Ausfall entspannt sich die Lage bei den Online-Diensten von Microsoft wieder. Die betroffenen Systeme laufen nach Angaben des US-Konzerns schrittweise an und stehen weiten Teilen der Nutzer wieder zur Verfügung.

Microsoft teilte mit, dass die Telemetriedaten eine deutliche Erholung zeigen und der Datenverkehr schrittweise wieder über die regulären Systeme abgewickelt wird. Einige Nutzer müssen sich nach Konzernangaben jedoch noch gedulden, bis alle Rückstaus im E-Mail-Versand vollständig abgearbeitet sind und die Synchronisation weltweit wieder stabil läuft. Außerdem könne es noch zu Problemen bei Suchfunktionen kommen, die weiterhin großflächig gestört sein sollen.

Ausfälle wie dieser sind ein Ärgernis für die Anwender, aber ein GAU für den Betreiber Microsoft. Der verspricht schließlich, dass seine Systeme mit sehr geringer Fehlerrate laufen. Wird das Vertrauen in solche Aussagen erschüttert, kann das Geschäft leiden. Besonders in Europa sind viele Unternehmen, aber auch staatliche Institutionen und Behörden ohnehin dabei, sich aus der Abhängigkeit von großen US-Anbietern zu befreien.

Durch mehr dezentrale Strukturen sinkt die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und damit auch die Gefahr, bei einem Ausfall betroffen zu sein. Seit der Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump wächst auch aus geopolitischen Erwägungen heraus der Wunsch nach mehr europäischer Souveränität.

© SZ/dpa/pul - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Software in der öffentlichen Verwaltung
:360 Millionen in acht Jahren: Das zahlt Bayern dem US-Giganten Microsoft

Bayerns Verwaltung arbeitet noch immer überwiegend mit Programmen des amerikanischen IT-Unternehmens. Dabei hat sich der Freistaat eigentlich selbst zu digitaler Souveränität verpflichtet.

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: