Metro Real-Märkte kurz vor Verkauf - die Gelegenheit für Kaufland

"Kaufland ist immer an neuen Standorten interessiert", teilt das Unternehmen mit - und damit wohl auch an Real-Märkten.

(Foto: Segerer/imago)
  • Alle Interessenten haben jetzt der Metro ihre Vorhaben präsentiert.
  • Kaufland gilt als der Interessent mit der größten Motivation, zumindest einen Teil der knapp 280 Real-Märkte zu übernehmen.
Von Michael Kläsgen

Der Verkauf der knapp 280 Real-Märkte geht in die entscheidende Phase. Von den Bietern wird erwartet, der Konzernmutter Metro "in Kürze" verbindliche Angebote zu unterbreiten, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Teilnehmerkreisen. Alle Interessenten haben ihre Präsentationen abgeschlossen. Sie haben Olaf Koch, dem Chef des Real-Mutterkonzerns Metro dargelegt, was sie mit den SB-Warenhäusern zu tun gedenken, falls sie den Zuschlag erhalten sollten. In wenigen Tagen endet die Frist, bis zu der konkrete Angebote eingereicht werden können.

Eine Sprecherin von Real-Konkurrent Kaufland teilt mit, das Unternehmen kommentiere "Branchengerüchte grundsätzlich nicht". Kaufland sei allerdings "immer an neuen Standorten und damit der Expansion in der Region interessiert". Der Großflächendiscounter der Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm gilt als der Interessent mit der größten Motivation, zumindest einen Teil der knapp 280 Real-Märkte zu übernehmen. Die Rede ist von 80 bis 100 Märkten, an denen Kaufland Interesse habe. Für Kaufland ist es die Gelegenheit, auf einen Schlag etwa 2,5 Milliarden Umsatz hinzuzugewinnen und damit seine Verhandlungsposition gegenüber Lebensmittelherstellern zu verbessern. Kaufland machte zuletzt in Deutschland einen Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro und betreibt 1270 Filialen weltweit.

Seltener Vorgang

Üblicherweise ist die Expansion ein langwieriger und aufwendiger Prozess mit vielen Hürden. Dass ein gesamtes Filialnetz zum Verkauf steht, ist äußerst selten. Günstig aus Bietersicht ist zudem, dass Real aufgrund schwacher Umsatz- und Gewinnzahlen für Metro an Attraktivität verliert und die Metro-Aktionäre auf einen Verkauf hoffen. Der Haken ist hingegen, dass Kaufland aus finanziellen und wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht an allen knapp 280 Real-Märkten interessiert sein kann, Metro offiziell aber daran festhält, die knapp 280 Märkte in einem Paket zu verkaufen.

"Wir beabsichtigen nach wie vor, Real als Ganzes in die Hände eines neuen Eigentümers zu geben", sagt ein Sprecher. Über die Interessenten gibt Metro keine Auskunft: "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine Namen kommentieren." Nur soviel: "Der Zeitplan steht." Noch innerhalb des ersten Halbjahres soll der Verkauf abgeschlossen sein. Bei der Metro ist man zuversichtlich, den Plan einzuhalten. Koch hatte bereits ausgeschlossen, bei dem Verkauf draufzahlen zu müssen. Das wäre der Fall, wenn Metro Real nur loswürde, indem der Handelskonzern dem Käufer ein paar Euro mit auf den Weg gibt.

US-Fonds Cerberus wird als möglicher Investor genannt

Als mögliches Szenario wird derzeit wegen der widersprüchlichen Interessenslage darüber spekuliert, dass Kaufland Teil eines Konsortiums werden könnte. Der Konsortialführer, etwa ein Finanzinvestor, könnte Real komplett übernehmen und dann filetieren. Kaufland erhielte danach vorab definierte Märkte, weitere Standorte könnte ein Immobilienentwickler übernehmen.

Auch Namen machen bereits die Runde: Als Investor wird der US-Fonds Cerberus, als Immobilienentwickler Redos genannt. Koch hatte im vergangenen Jahr Interessensbekundungen aus unterschiedlichen Industriebereichen und nicht nur aus dem Einzelhandel bestätigt. Dem Vernehmen nach sind weitere Handelsunternehmen wie die Markant-Gruppe oder Globus neben Kaufland an einzelnen Häusern von Real interessiert.

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