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Metoo:Fälle bleiben oft geheim

Auch zwei Jahre, nachdem die ersten #Metoo-Fälle an die Öffentlichkeit gelangten und prominente Täter bekannt wurden, trauen sich noch immer sehr viele Frauen nicht, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu thematisieren.

Wenn die Bewegung hinter dem Schlagwort Me Too ein Ziel hat, dann ist es dieses: Frauen sollen sich sicher fühlen, Me-Too-Vorfälle zu melden. Wenn sie Opfer eines sexuellen Missbrauchs, einer Belästigung oder einer Mikroaggression werden, sollen nicht sie die Schande tragen, sondern die Täter.

Doch auch zwei Jahre, nachdem die ersten Me-Too-Fälle an die Öffentlichkeit gelangten und Täter wie der Filmproduzent Harvey Weinstein Ruf und Reichtum verloren, trauen sich noch immer sehr viele Frauen nicht, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu thematisieren. Knapp 40 Prozent der Frauen, die der Veranstalter der Women & Work, Europas Leitmesse für Frauen, in einer Umfrage befragt hat, berichteten nur einer Person ihres Vertrauens darüber. 27 Prozent zeigten die Person bei den jeweiligen Vorgesetzten an und 25 Prozent nutzten unternehmenseigene Anlaufstellen wie Betriebsrat oder Personalabteilung, um den Vorfall zu melden. Allerdings entschieden sich auch fast 30 Prozent dafür, die Vorfälle gar nicht zu melden. Keine einzige der befragten Frauen suchte anwaltlichen Beistand. Mehr als ein Drittel der befragten Frauen gab an, bereits Erfahrung mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gemacht zu haben.

"Mikroaggressionen - und dazu gehört alltäglicher Sexismus - sind nach wie vor für sehr viele Frauen Realität am Arbeitsplatz", sagte Melanie Vogel, die Initiatorin der Women & Work. "Die betroffenen Frauen erleben die Unternehmenskultur als weniger fair und denken deutlich häufiger darüber nach, ihren Arbeitsplatz zu verlassen als Frauen, die nicht unter Mikroaggressionen am Arbeitsplatz leiden." Zwar gebe es seit Me Too mehr Öffentlichkeit für dieses Tabuthema, doch eine Lösung fehle. Während viele Männer klagen, dass der Umgang mit Frauen seit Me Too für sie so schwierig geworden sei, empfinden Frauen es oftmals anders: Als habe sich nichts geändert.