Automobilindustrie:Licht und Schatten

Lesezeit: 2 min

Automobilindustrie: Gut ausgelastet: Eine Fertigungsstraße im Münchner Stammwerk von BMW.

Gut ausgelastet: Eine Fertigungsstraße im Münchner Stammwerk von BMW.

(Foto: Daniel Josling/dpa)

Die Jahresbilanz der deutschen Autoindustrie fällt sehr gemischt aus: BMW verkauft glänzend, auch Mercedes ist zufrieden. Doch der VW-Konzern steckt wegen zweier Probleme im Absatztief .

Von Max Hägler

In den ersten Tagen eines jeden Jahres beginnt in den Auto-Hauptquartieren aufgeregt das Rechnen: Wer von deutschen Autobauern der sogenannten Premium-Liga hat in den vergangenen zwölf Monaten am meisten Wagen abgesetzt? Auch wenn die Manager oft den Wert der "Profitabilität" betonen: Die Krone des Marktführers ist doch die glänzendste. Üblicherweise werden deshalb stets im Dezember noch die letzten angestaubten Fahrzeuge aus den Ecken der Höfe geholt und mit hohem Rabatt verkauft, um die Auslieferzahlen so hübsch wie möglich zu gestalten.

Doch 2021 war das anders: überall fehlten Computerchips zum Autobauen, so überstieg die Nachfrage das Angebot. Und nun, nachdem alle ihre Zahlen vorgelegt haben, zeigt sich, wer mit dieser Knappheit am besten zurechtkam: BMW. Gut 2,2 Millionen Autos haben die Münchner abgesetzt, das bedeutet nicht nur Absatzrekord, sondern auch das einzige Plus im deutschen Vergleich. Woran liegt's? BMW pflegt, so heißt es in der Branche, die partnerschaftlichsten Geschäftsbeziehungen zu Zulieferern - und sie können Fahrzeuge am flexibelsten zusammenschrauben. Mercedes-Benz, der Spitzenreiter des Vorjahres, kam 2021 auf gut zwei Millionen Fahrzeuge - gerechnet ist auch hier nur die reine Marke, abzüglich von Marken wie Smart. Der dritte im Bunde, Audi, ist abgeschlagen derzeit: Nur knapp 1,7 Millionen Wagen konnten die Ingolstädter absetzen - in etwa so viele wie vergangenes Jahr.

Im Vergleich innerhalb des Mutterkonzerns steht Audi damit übrigens noch einigermaßen ordentlich da, so wie auch Porsche. Beide bekamen aus der Konzernzentrale in Wolfsburg am meisten der knappen Computerchips zugeteilt, weil sich mit diesen Autos am meisten verdienen lässt. Zu leiden hatte hingegen die Konzernmarke Skoda mit einem Absatzminus von 13 Prozent und auch die Kernmarke VW kam auf ein Minus von acht Prozent. Das liegt aber nicht nur an der Chipkrise, sondern auch an Produkt- und Vertriebsproblemen im wichtigsten Mark China. Rechnet man alles zusammen, was Räder hat und verkauft wird, kommt man so im Volkswagen-Konzern auf 8,9 Millionen Busse, Lastwagen, Motorräder und Autos. Das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren und weit entfernt von den zehn Millionen, auf die man in Wolfsburg einst so stolz war. Damit dürfte VW in der Weltrangliste der Fahrzeugbauer abermals recht deutlich hinter dem japanischen Toyota-Konzern liegen.

Die VW-Aktien sind dennoch in den vergangenen vier Wochen beinahe so begehrt gewesen wie jene von BMW (98 Euro): Auf etwa 190 Euro liegt der VW-Kurs. Offenbar gibt die Befriedung des VW-Führungsstreits rund um Herbert Diess den Anlegern weiter Hoffnung. Der Mercedes-Kurs hingegen zeigt weniger Bewegung und liegt bei etwa 74 Euro.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB