Autohersteller:Mercedes meldet hohe Gewinne - dank Luxusautos

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Autohersteller: Wer jetzt eine G-Klasse bestellt, muss bis zu zwei Jahre auf diesen Wagen warten.

Wer jetzt eine G-Klasse bestellt, muss bis zu zwei Jahre auf diesen Wagen warten.

(Foto: Stefan Zeitz/imago images)

Der Konzern baut weniger Autos, verdient aber dennoch prächtig, weil die Kunden vor allem teure Wagen wollen. Ein Modell ist bis 2024 ausverkauft.

Von Christina Kunkel, Stuttgart

Der Schwede Ola Källenius weiß sich zu helfen. Bis er einen neuen Firmenausweis bekam, hatte der Mercedes-Chef kurzerhand einen Aufkleber mit dem Label "Mercedes-Benz Group" auf seine Firmen-Plastikkarte gepappt. Seit dem 1. Februar schaffen die rund 170 000 Mitarbeitenden auch namentlich nicht mehr "beim Daimler", sondern korrekterweise "beim Mercedes" - oder doch eher "beim Benz"? Im Dezember 2021 wurde die Abspaltung der Lkw- und Bussparte als Daimler Truck vollzogen, Anfang Februar folgte die Umbenennung in "Mercedes-Benz Group". Am Donnerstag gab es nun die ersten Zahlen als reiner Pkw-Hersteller. Sie sind sehr gut.

Der schwäbische Autobauer ist profitabel wie nie. Mit 12,7 Prozent Umsatzrendite - also dem, was vom Umsatz am Ende noch als Gewinn aus dem operativen Geschäft übrig bleibt - übertraf das Unternehmen das selbst gesteckte Ziel von zehn bis zwölf Prozent. Getoppt werden solche Werte derzeit nur von wenigen anderen Herstellern. Tesla meldete für 2021 eine Umsatzrendite von 14,7 Prozent, beim Sportwagenbauer Porsche, der allerdings noch keine Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt hat, dürften es erneut mehr als 15 Prozent sein.

Der Nettogewinn der einstigen Daimler AG war 2021 mit 23,4 Milliarden Euro gut sechsmal so hoch wie ein Jahr zuvor. Darin ist allerdings auch ein milliardenschwerer positiver Bewertungseffekt aus der Abspaltung der Truck-Sparte enthalten. Doch auch ohne diese 9,2 Milliarden Euro wäre das Ergebnis immer noch doppelt so hoch wie 2020.

Noch nie hat das Unternehmen eine so hohe Dividende gezahlt

Und auch die Aktionäre dürfen sich freuen: Die Dividende soll von 1,35 Euro pro Aktie für das von Corona-Lockdowns belastete Vorjahr nun auf fünf Euro steigen. Stimmen die Anteilseigner zu, zahlt Mercedes ihnen für das abgelaufene Geschäftsjahr insgesamt 5,35 Milliarden Euro aus. Auch diese Dimension ist beeindruckend: Selbst im bisherigen Rekordjahr 2017 lag die Dividendensumme mit 3,9 Milliarden Euro deutlich niedriger. Die abgespaltene Trucksparte schüttet dagegen keine Dividende aus.

Dass es dem schwäbischen Autobauer so gut geht, erstaunt vor allem angesichts der widrigen Umstände, mit denen die Wirtschaft im vergangenen Jahr zu kämpfen hatte. Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie setzte vor allem der Mangel an Computerchips der Autobranche zu. Das zeigt sich auch im Absatz bei Mercedes. Fünf Prozent weniger Fahrzeuge (2,05 Millionen) verkaufte der Hersteller im Vergleich zum Vorjahr - was aber nicht an mangelnder Nachfrage lag, sondern an fehlenden Halbleitern. Deshalb gab es auch 2021 Kurzarbeit in der Produktion. Wie viele Autos man ohne den Chipmangel hätte verkaufen können? Dazu gibt Vorstandschef Källenius keine Einschätzung ab.

Autohersteller: Im Sommer sollen die ersten Wagen des EQE ausgeliefert werden. Für die Verbrenner-Limousinen der aktuellen E-Klasse-Baureihe gibt es bereits einen Bestellstopp.

Im Sommer sollen die ersten Wagen des EQE ausgeliefert werden. Für die Verbrenner-Limousinen der aktuellen E-Klasse-Baureihe gibt es bereits einen Bestellstopp.

(Foto: Mercedes-Benz AG/dpa-tmn)

Wie lassen sich dann die guten Zahlen erklären? Mercedes setzt auf Margen- statt auf Absatzrekorde und fährt seit Jahren einen rigiden Sparkurs. Die Fixkosten sind seit 2019 um 16 Prozent gesunken, auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung fuhr der Konzern zuletzt leicht zurück. Doch der größte Erfolgsfaktor ist die von Ola Källenius vehement vorangetriebene Positionierung als Luxushersteller. Der Fokus im Verkauf liegt auf teuren Oberklasse-Modellen wie der S-Klasse und ihrem elektrischen Pendant EQS. Dorthin gehen auch bevorzugt die knappen Chips.

Aber auch die Autos der Luxusmarke Maybach oder die Performance-Wagen von AMG verkaufen sich prächtig. Dort verdient Mercedes pro verkauftem Auto deutlich mehr als bei kleineren Modellen. So lag der Umsatz pro Fahrzeug zuletzt im Schnitt bei 49 800 Euro. Das ist ein Viertel mehr als noch vor drei Jahren. Andere, weniger margenstarke Baureihen wie die B-Klasse haben dagegen keine Zukunft im Portfolio.

Die G-Klasse ist bis 2024 ausverkauft

Für ein besonders gefragtes Modell bemüht Firmenchef Källenius gern den Vergleich mit der "Birkin Bag", einer Handtasche des Luxuslabels Hermès, für die nicht nur Preise von bis zu mehreren hunderttausend Euro aufgerufen werden, sondern auf die man auch bis zu drei Jahre warten muss. Die "Birkin Bag" von Mercedes sei die G-Klasse - ein Geländewagen, der in Graz gebaut wird. Auch wenn das Modell ein Spritschlucker ist und mehr als 100 000 Euro kostet, ist es gefragt wie nie. Die 40 000 Wagen, die aktuell jährlich produziert werden, decken die Nachfrage bei weitem nicht. Das Modell ist bis 2024 ausverkauft.

Daran zeigt sich der Spagat, der Mercedes auch in Zukunft gelingen muss. Einerseits hängt ein Großteil des Ertrags immer noch an Diesel- und Benzinmotoren, andererseits treibt der Konzern die Umstellung auf reine Elektroautos schneller als ursprünglich geplant voran. Schon 2025 könnte laut Källenius jeder zweite verkaufte Mercedes elektrifiziert sein. Das sorgt auch an anderer Stelle für etwas Entspannung: Das von der EU für 2021 festgesetzte CO₂-Flottenziel von 125 Gramm pro Kilometer schafft Mercedes nach eigener Einschätzung locker.

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