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#MeineMiete in Grafiken:Wie wir wohnen

Wie zufrieden sind die #MeineMiete-Teilnehmer mit ihrer Wohnung - und werden sie verdrängt?

  • Beim Crowdsourcing-Projekt #MeineMiete haben 57 000 Menschen Fragen zu ihrer Wohnsituation, ihren Mietkosten, ihrer finanziellen Belastung beantwortet.
  • Dabei zeigt sich: Wohnzufriedenheit und Platz hängen davon ab, wann der Mietvertrag abgeschlossen wurde.
  • Und: Hinweise auf Verdrängung aus ihren Wohnungen finden sich bei zehn Prozent aller Teilnehmer.

Wovon Wohnglück abhängt

Das größte Problem mit dem Glück: Es ist endlich. Zumal auf dem Wohnungsmarkt. Wer also, wie eine Teilnehmerin des SZ-Projekts #MeineMiete schreibt, eine schöne Wohnung gefunden hat, wird es als Unglück empfinden ausziehen zu müssen. Diese Seite des Lock-in-Effekts, demzufolge Mietern mangels Alternativen kein Wohnungswechsel mehr möglich ist, ist ein Grund für die vergleichsweise hohen Zufriedenheitswerte bei den Umfrageteilnehmern. In unserer Mietumfrage (mehr dazu hier) haben wir nach der Zufriedenheit mit drei wichtigen Kenngrößen gefragt: mit der Größe der Wohnung, ihrer Lage und den Mietkosten. Und wir haben darum gebeten, sie jeweils mit Schulnoten zu bewerten.

Mieten in Deutschland

Dieser Text ist Teil des Projekts #MeineMiete. Lesen Sie hier die zentralen Ergebnisse der großen SZ-Umfrage und hier alle Texte zum Thema.

Demnach fühlen sich die Befragten in ihrer aktuellen Wohnung durchaus wohl: Sowohl Größe als auch Lage werden im Mittel mit einer "2" bewertet. Etwas geringer fällt die Zufriedenheit bei den Mietkosten aus, für die im Mittel eine "3" vergeben wurde. Angesichts der Debatten der vergangenen Monate, ja sogar Jahre, erscheint hier im Verhältnis auch der Ärger über die Höhe der Mieten vergleichsweise moderat.

Das erklärt sich unter anderem dadurch, dass ein Mittelwert abgebildet wird. Zudem haben tendenziell mehr Menschen mit einem eher hohen Verdienst (mehr zur Methodik der Umfrage und der Auswertung hier), und viele mit eher jungen Mietverträgen teilgenommen. Menschen also, die angesichts der Realitäten des Wohnungsmarkts womöglich froh waren, etwas mehr oder minder Passendes gefunden zu haben.

Bei einem tieferen Blick in die Daten verdeutlicht sich das: Die Zufriedenheit mit den Mietkosten fällt am geringsten aus - auch und gerade bei Menschen, die die Größe und Lage ihrer Wohnung gut bis sehr gut bewerten. Außerdem hängt die Zufriedenheit in den einzelnen Kategorien stark davon ab, wann die jeweiligen Mietverträge abgeschlossen wurden:

Während die Zufriedenheit mit der Lage (graue Punkte) unabhängig von der Wohndauer nur leicht schwankt, zeigt sich: Wessen Umzug noch nicht lange her ist, wer also seine Wohnung erst vor kurzem an seine Lebensumstände angepasst hat, ist tendenziell eher zufrieden mit der Größe (rote Punkte) - aber bewertet die Miethöhe (blaue Punkte) negativer. Wer dagegen einen älteren Mietvertrag hat, also den Preisanstiegen gerade der vergangenen Jahre nicht ausgesetzt war, ist tendenziell eher zufrieden mit dem, was er oder sie monatlich seinem Vermieter überweisen muss; er oder sie ist aber eher aus Lage und Größe der Wohnung "herausgewachsen", weil sie womöglich nicht mehr so recht zur Familiensituation passt.

Wer mehr und wer weniger Platz in seiner Wohnung hat

Im Schnitt haben Mieter in Deutschland knapp 38 Quadratmeter pro Kopf zur Verfügung. Dieser Wert ist über die Jahre gestiegen, die Deutschen brauchen immer mehr Platz. Seit 1960 hat sich die Wohnfläche pro Person in etwa verdoppelt. Doch mit der zunehmend angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt stagniert die Wohnfläche pro Kopf eher.

Der Platz, den Menschen in Deutschland in ihren Mietwohnungen zur Verfügung haben, ist stark von Wohn- und Lebenssituation abhängig. In den SZ-Daten wie in offiziellen Statistiken zeigt sich: Alleinlebende beispielsweise haben im Mittel deutlich mehr Platz als Paare, während sich Familien mit noch weniger Raum pro Person arrangieren. Selbst die WG-Bewohner haben hier mehr Platz:

Deutlich wird auch in diesem Befund: Teilnehmer der SZ-Umfrage mit älteren Mietverträgen sind im Vorteil, nicht nur finanziell. In Abhängigkeit vom Preisanstieg auf dem Wohnungsmarkt deutet sich auch hier an, dass der zur Verfügung stehende Wohnraum für die Menschen, ihren Mietvertrag erst in den vergangenen Jahren abgeschlossen haben, eher abgenommen hat oder zumindest gleich geblieben ist.

Wie Mieter verdrängt werden

Über Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt wird - gerade als Begleiterscheinung von Gentrifizierungsprozessen - heftig diskutiert. Immer wieder wird, auch in der SZ, über tragische Einzelschicksale berichtet. Aber als übergreifendes Phänomen, dass weniger gut verdienende Menschen ihre Wohnungen in beliebter werdenden Vierteln oder im Stadtkern für Besserverdienende freimachen müssen, sind Verdrängungsprozesse nur schwer empirisch fassbar zu machen. Weil trotz einer womöglich größer werdenden Problematik insgesamt nur vergleichsweise wenige Mieter betroffen sind und die Betroffenen wenn überhaupt nur per Zufallsprinzip erreicht werden können.

Hinweise auf Verdrängungsprozesse finden sich in der SZ-Umfrage immerhin dort, wo Teilnehmer auf die Frage nach Umzugsgründen in den vergangenen zehn Jahren angeben, sie hätten wegen einer Mieterhöhung oder einer Eigenbedarfskündigung umziehen müssen. Beides sind Einflussfaktoren, die Mieter im Gegensatz zu beispielsweise biografischen Veränderungen von außen zu einem Umzug zwingen. Beides spielt bei knapp zehn Prozent der Befragten eine Rolle.

Knapp drei Prozent geben an, dass eine Mieterhöhung der Grund für den Umzug war. Hintergrund ist hier oft ein Vermieterwechsel und damit verbunden eine Anpassung an die aktuellen Mietpreise - oder aber mit Modernisierungen verbundene Preisanstiege, welche teils auch gezielt herbeigeführt werden, um Altmieter zum Auszug zu bewegen.

Auffällig ist die vergleichsweise hohe Zahl der Umzüge nach Eigenbedarfskündigungen. Mehr als sechs Prozent der Teilnehmer mussten ausziehen, weil ihr Vermieter die Wohnung selbst nutzen wollte - ein Indikator für einen umkämpften Markt. "Im Vergleich zu früheren Jahren lässt sich ohne weiteres sagen: Je enger und angespannter die Wohnungsmärkte sind, desto stärker steigt die Zahl der Eigenbedarfskündigungen", meint dazu Ulrich Ropertz, der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes. Grund dafür sei einerseits, dass Vermieter dann verstärkt auf ihren Wohnungsbestand zurückgreifen, um zum Beispiel die eigene Familie mit einer Wohnung zu versorgen. Andererseits werde die Eigenbedarfskündigung aber auch dazu genutzt, um ein Mietverhältnis zu beenden und die Wohnung anschließend teurer neu zu vermieten oder in eine Eigentumswohnung umzuwandeln.

© SZ.de/kabr/holz
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