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"Mein Auto":Nächster Autohändler will an die Börse

Auto: Gebrauchtwagen zum Verkauf

Autokäufer müssen sich nicht mehr vor Ort über Neu- und Gebrauchtwagen informieren. Sie können das auch im Internet machen.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

"Mein Auto" plant die Erstnotierung in Frankfurt.

Der Online-Autohändler "Mein Auto" strebt in den nächsten Wochen an die Frankfurter Börse. Das Unternehmen aus Oberhaching bei München will damit mindestens 150 Millionen Euro einnehmen, um sein Wachstum zu finanzieren und Schulden zu tilgen, wie es ankündigte.

Der Börsengang dürfte insgesamt aber deutlich größer ausfallen, weil auch der britische Finanzinvestor Hg Aktien verkaufen will. Der Börsenwert dürfte bei mehr als zwei Milliarden Euro liegen, wie Insider berichteten. An die Börse begleitet wird die "Mein Auto"-Group von den Investmentbanken Bank of America, Barclays, Citi, Jefferies und Unicredit.

Ziel sei ein Börsendebüt noch im zweiten Quartal, teilte das Unternehmen mit. Tatsächlich dürfte es noch im Mai so weit sein. Von der offiziellen Ankündigung der Emission bis zur Erstnotiz dauert es in der Regel etwa vier Wochen. "Der Börsengang ist ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen auf seinem Wachstumspfad weiterzuentwickeln und unsere Position als führende Online-Plattform für den digitalen Vertrieb von Neuwagen in Deutschland auszubauen", sagte der Vorstandschef der "Mein Auto"-Group, Rudolf Rizzolli. Das Unternehmen will auf dem Börsenerfolg des Berliner Gebrauchtwagen-Händlers Auto 1 aufbauen, der zu Jahresbeginn an die Börse gegangen war.

Der Finanzinvestor Hg hatte die Firma mit 380 Mitarbeitern 2018 aus dem Kölner Start-up MeinAuto.de, der Flottenleasing-Tochter der Hypo-Vereinsbank (HVB), Mobility Concept sowie einem Vermittler von gesponserten Autos für Spitzensportler und Vereine zusammengebaut. Der ehemalige Sixt-Leasing-Chef Rizzolli setzt darauf, dass Privatkunden neue Autos zunehmend über das Internet kaufen oder leasen. Im vergangenen Jahr habe "Mein Auto" 39 000 Neuwagenbestellungen abgewickelt. Der bereinigte Umsatz stieg um elf Prozent auf 212 Millionen Euro, das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um 25 Prozent auf 38 Millionen Euro.

Konkurrent Auto 1 ist im Februar an die Börse gegangen. Der Ausgabepreis lag damals bei 38 Euro je Aktie, der Kurs schoss zunächst in die Höhe und lag in den ersten Börsentagen zumeist bei mehr als 50 Euro. Derzeit erreicht die Aktie einen Preis von rund 45 Euro. Im Vergleich zum Ausgabepreis entspricht das einem Plus von fast 20 Prozent.

Die beiden Auto-1-Gründer, Christian Bertermann und Hakan Koç, verkauften Anfang April einen Teil ihrer Aktien für jeweils 45,75 Euro. Damit erlösen sie insgesamt 103 Millionen Euro, wie die Bank Goldman Sachs mitteilte, die die im März angekündigte Transaktion organisiert hat. Mit dem Erlös wollen die Gründer Steuerverpflichtungen begleichen. Insgesamt trennten sie sich von gut 2,2 Millionen Aktien.

© SZ vom 22.04.2021 / Reuters
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