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Mehr als 4000 Arbeitsplätze bedroht:Nokia soll Subventionen zurückzahlen

Empörung über die Schließung des Bochumer Nokia-Werks: Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen wollen die Verlagerung des Produktionsstandortes nicht hinnehmen. Nun hat sich Bundeswirtschaftsminister Glos eingeschaltet.

Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen wollen die Schließung des Nokia-Werks in Bochum nicht tatenlos hinnehmen. Beide Regierungen forderten den finnischen Handykonzern am Mittwoch zu Gesprächen auf und drohten zudem damit, Subventionen zurückzuverlangen.

Bochumer Nokia-Werk; ddp

Vor der Schließung: Das Bochumer Nokia-Werk soll nach Rumänien verlagert werden, mehr als 4000 Arbeitsplätze sind bedroht.

(Foto: Foto: ddp)

Die Empörung über den Schließungsbeschluss wird sowohl von Unions- als auch von SPD-Politikern geteilt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), der sich am Nachmittag mit Betriebsräten und Beschäftigten des Unternehmens traf, sagte, es könnte der Eindruck entstehen, "dass es sich bei Nokia um so etwas wie eine Subventions-Heuschrecke handele".

Das Verhalten des Konzerns sei "unanständig", der "Kampf um den Standort Bochum" gehe weiter. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft erklärte, ihre Partei müsse "jetzt den gesellschaftlichen Widerstand organisieren". Die SPD werde deshalb eine Internet-Kampagne gegen Nokia starten. "Ich glaube, dass es jedem schwerfällt, jetzt noch ein Nokia-Handy in die Hand zu nehmen", sagte Kraft.

"Inakzeptablen Entscheidung"

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sprach von einer "inakzeptablen Entscheidung" des Konzerns, der nicht nur die Arbeitnehmer im Stich lasse, sondern auch die Steuerzahler ausgenutzt habe.

Nokia kassierte seit 1995 von Bund und Land Subventionen in Höhe von 88 Millionen Euro. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) sagte, es werde geprüft, ob Teile dieser Summe zurückverlangt werden könnten. Nokia hatte sich Thoben zufolge dazu verpflichtet, in Bochum langfristig 2856 Arbeitsplätze zu erhalten.

Derzeit arbeiten nach Firmenangaben aber nur noch 2300 Beschäftigte in dem Werk. Strittig ist, inwieweit die Auslagerung von Stellen in Zeitarbeitsverhältnisse angerechnet wird. Von der Schließung wären auch etwa 2000 Leiharbeiter und Angestellte von Zulieferern betroffen.